Große Begeisterung in der nahezu ausverkauften Waldbühne, als dort am Mittwochabend wieder einmal die Londoner Heavy-Metal-Legenden Iron Maiden auftraten – als Teil ihrer „Legacy of the Beast“ -Tour, einer Werkschau ihrer größten Erfolge aus den achtziger Jahren sowie neueren Materials.

Wieder einmal zeigte uns die Band um Chef und Bassist Steve „‘Arry“ Harris und den Teilzeitpiloten und Sänger Bruce Dickinson, wie man Tod, Krieg und Feuer durch professionell druckvolles Gniedeln und Brüllen in Vermengung mit teuren Schultheater-Vibrationen zu ansprechender Abendunterhaltung und vor allem einer fulminanten Rockshow verarbeitet: Wie üblich begann das Konzert mit Churchills berühmter Kriegsrede, dann joggte die Band zum Anfang des Luftkampf-Dramas „Aces High“ auf die mit Tarnnetzen verhangene Bühne, die dadurch gleichzeitig Assoziationen an ein Heckenlabyrinth in einem englischen Landsitz weckte - und schon hing ein Spitfire-Bomber über der Band und Dickinson fegte umher!

Bruce, sing mal einfach weiter

Während Drummer Nicko McBrain erstmal hinter der Hecke gefangen blieb, erklärte der bekennende Brexit-Befürworter Dickinson in einer Ansprache, Freiheit habe viele Bedeutungen, und manchmal müsse man sich dafür einsetzen, vielleicht sogar dafür sterben, was heutzutage ja leider niemand mehr zu tun bereit wäre, denn: „Nobody wants to fucking do anything“! Äh, alles klar, Bruce, sing mal einfach weiter, dachte man sich da, wir sind doch hier bei Maiden und nicht bei Frei.Wild oder so.

Weiter ging es – mit einem Lied über einen schottischen Freiheitskämpfer, dicht gefolgt von „The Trooper“ inklusive der von den Gitarristen Adrian Smith und Dave Murray charakteristisch gegniedelten Sexten - und dem obligatorischen Auftritt von Eddie, dem Monstermaskottchen der Band, ein Zombie im Punk-Look, hier in der Rolle des „Trooper“, den Dickinson mit Schwert bekämpfte und dabei abwechselnd den Union Jack und die Fahne der Bundesrepublik wedelte.

Gitarrenwirbelballett mit Stretch-Übungen

Während dieses in seiner politischen Ausstrahlung leicht beunruhigenden Schwertkampfes langte Dickinson auch über die Hecke und schlug ein Becken von McBrains riesigem Schlagzeug an! Passend zu „Revelations“ (zu deutsch: „Enthüllungen“) wurde McBrain dann endlich enthüllt, und die Bühne ähnelte nun eher dem klassischen „Number-of-the Beast“-Set – einer Mischung aus gothischer Kathedrale und Pharaonen-Grab.

Dauergrinsend, mit viel Feuer und Wumms, unter Harris‘ unvergleichlicher Schnellfingertechnik am Bass, bei Gitarrenwirbelballett mitsamt Stretch-Übungen vom Drittgitarristen Janick Gers spielte die Band die Hits, „Das Titellied „Iron Maiden“ etwa, und vor allem natürlich „The Number of the Beast“ - und nach wie vor sträubten sich dem Dreizehnjährigen in mir die Gänsehauthaare.