Jennifer Ellis, 42, hat die Handschuhe gestrickt, die Bernie Sanders, 78, bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden weltberühmt machte. Zur Erinnerung: Sanders trug bei der Feier am vergangenen Mittwoch außer einer khakifabenen Gore-Tex-Jacke auch dicke Woll-Fäustlinge. Sein eher rustikales Erscheinungsbild bei der hochoffiziellen Zeremonie sorgte gerade im Vergleich zur erlesenen Couture-Show der anderen Beteiligten für viel Aufmerksamkeit. Sofort tauchte die Frage auf, wer dem Politiker die Strick-Fäustlinge zur Verfügung gestellt habe – und führte zu Ellis.

Die Lehrerin aus Essex Junction, Vermont, stand wie gewöhnlich zum Unterricht in der Klasse, als Biden den Amtseid ablegte. Plötzlich, so erzählt Ellis im Rückblick, trafen jede Menge Text-Nachrichten bei ihr ein. Alle lauteten gleich: „Bernie Sanders trägt deine Fäustlinge!“ Sie waren wegen ihrer braun-beigen Streifen gut zu erkennen. Ellis hatte Sanders erstmals ein Paar Fäustlinge geschickt, als er 2016 im Präsidentschaftsrennen der Demokraten gegen Hillary Clinton unterlag. Im vergangenen Jahr wurde Ellis zugetragen, dass der Senator seine Fäustlinge verliehen hatte.

Foto: AFP/Brendan Smialowski
Bernie Sanders und sein klassenbewusster „grumpy chic“ bei der Amtseinführung Joe Bidens.

Das habe sie, so Ellis, dermaßen gerührt, dass sie ihm zehn weitere Paar schickte. Der Vorrat reichte offenbar bis zur Amtseinführung. Dass Sanders Kleiderwahl – und seine Sitzhaltung mit verschränkten Armen – nun als „grumpy chic“ (etwa: mürrischer Schick) bezeichnet wurde und nach kurzer Zeit unzählige Fotomontagen im Internet kursierten, amüsiert Ellis: Sie findet die Reaktionen „urkomisch“ und meint, viele Menschen hätten ein „hartes Jahr“ hinter sich, sie brauchten etwas, „worüber sie lachen können und was völlig harmlos und unpolitisch ist“.

Ellis könnte nun aus der Begeisterung über ihre Fäustlinge einen großen finanziellen Gewinn ziehen – sie wurden immerhin schon in dem Haute-Couture-Blatt Vogue erwähnt. Die Lehrerin erhielt bereits 13.000 E-Mails, in denen potenzielle Käufer ihr Interesse bekundeten. Diese Idee weist sie aber weit von sich. Wenn sie sich darauf einließe, würde die „Schönheit“ des Moments zerstört. Sie lehne „Preistreiberei“ ab. Im Internet tauchten schon Werbeanzeigen für Fäustlinge nach dem Strickmuster von Ellis auf. Sie wurden für umgerechnet 70 Euro angeboten.

Ellis teilte auf Twitter mit, dass die Nachfrage zu groß sei und sie selbst leider keine Fäustlinge mehr zu verkaufen habe. Aber: Sie wolle an diesem Sonntag ein paar weitere Paare produzieren – und sie für einen guten Zweck in einer Fernsehshow versteigern. Der Handschuh-Hype nimmt unterdessen kein Ende, unter dem Hashtag #berniesmittens tauchen immer noch neue Sanders-Memes auf.