Bei unserem Treffen im Berliner Büro ihrer Plattenfirma wirkt Lena Meyer-Landrut, 28, wie eine Frau, die mit sich im Reinen ist. Freundlich, entspannt, sanft. Die Sängerin, die am Sonntag im Berliner Kesselhaus auftritt, spricht unbefangen über sich und ihr Album „Only Love, L“, das Pop mit R'n'B oder Dancehall verwebt. Der fröhliche Sound kontrastiert mit den grüblerischen Texten.

Frau Meyer-Landrut, Sie sind für die siebte Staffel wieder als Coach zu The Voice Kids zurückgekehrt. Was reizt Sie so an dieser Sendung?

Ich bin einfach gern mit Kindern zusammen. Das war schon immer so. Als Teenager habe ich Babysitting gemacht. Ich fand mich nie zu cool, um mit Jüngeren abzuhängen.

Erinnern Sie die The Voice Kids-Teilnehmer manchmal an die kleine Lena?

Total. Ich war als Mädchen der absolute Oberkasper. Wenn wir Besuch bekamen, habe ich für gewöhnlich eine Aufführung vorbereitet. Ich tanzte, zauberte oder zeigte mit dem Meerschweinchen ein paar Tricks – Hauptsache, es gab eine Show.

Dieses Extrovertierte ist nur eine Seite von Ihnen. Sie gelten als sensibel.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, der nah am Wasser gebaut hat. Zum Weinen bringt mich allerdings nicht bloß Traurigkeit. Bei mir fließen durchaus auch oft Freudentränen.

Das kann man sich kaum vorstellen, wenn man sich mit Ihren recht nachdenklichen Songtexten beschäftigt...

Meine Lieder sind ehrlich. Sie handeln von romantischer oder platonischer Liebe. Es geht um meine Ängste und Zweifel, aber auch um Selbstliebe. Trotz ihrer Tiefgründigkeit empfinde ich meine Stücke als positiv.

Wirklich? Warum heißt dann einer Ihrer Titel ausgerechnet Scared?

Der zentrale Satz ist doch: „I'm scared, but fear don't scare me no more.“ Ich habe gelernt, dass mir die Angst keine Angst mehr machen muss. Ich lasse mich von ihr nicht mehr bremsen und einschränken.

Wovor fürchten Sie sich denn?

Vor vielen Sachen. Vor der Meinung anderer oder vorm Versagen. Aber es ist normal, sich zu fürchten. Die Frage ist eher, wie man damit umgeht.

Sie wurden im Netz bereits häufiger mit Hasstiraden konfrontiert. Hat sich daraus die Nummer Thank you entwickelt?

Ausschlaggebend war nicht allein Cybermobbing, sondern generell Tiefpunkte im Leben – seien es berufliche oder private. Aus heutiger Sicht bin ich dankbar für meine schweren Zeiten. Sie haben mich gestärkt, ich bin letztlich an ihnen gewachsen.

Haben Sie all die negativen Kommentare in den sozialen Medien tatsächlich so cool an sich abprallen lassen?

Es gab natürlich Phasen, in denen mich das extrem beschäftigt hat. Dadurch habe ich mich verändert. Ich war nicht mehr so offen, ich habe mich ziemlich abgeschottet. Dieser Selbstschutzmechanismus brachte unschöne Dinge mit sich. Plötzlich galt ich als zickig und arrogant. Ich hatte das Gefühl, gar nicht mehr ich selbst zu sein. Das machte mich nicht glücklich. Mir wurde klar: Ich musste meine Mitte wiederentdecken.

Haben Sie deswegen Ihre ursprünglich für 2018 geplante Platte verschoben?

Diese Entscheidung half mir, den Glauben an mich selbst zurückzugewinnen. Ich habe den Mut gefunden, alle Songs zu löschen und mit meinem Album „Only Love, L“ noch einmal von vorne anzufangen. Das war für mich ein Befreiungsschlag. Zunächst hatte ich zwar Angst vor der Enttäuschung meiner Fans, dann stellte sich aber heraus: Es war genau richtig, auf mein Bauchgefühl zu hören.

Würdigen Sie Ihre innere Stimme deshalb in Dear L?

Mit diesem Stück habe ich einen Brief an mein 18-jähriges Ich geschrieben. Ich sage: Entspann dich! Du wirst hinfallen, du wirst aufstehen. Fürchte dich nicht davor, das gehört zum Leben dazu. Bleib offen, hör auf deine Intuition und deine Mutter.

Nehmen Sie heute noch Ratschläge Ihrer Mutter an?

Ja. Sie ist sehr weise und hat stets einen guten Rat parat. Mittlerweile tauschen wir uns auf Augenhöhe aus. Das hilft mir, weil ich glaube, dass meine Familie mein bester Spiegel ist. Sie bringt mich immer wieder auf den Boden zurück.