Nachfragen hat es schon gegeben. „Schon einige“, sagt Helmut Krauß, Leiter des Berliner Friedhofs Heerstraße, „die Leute wundern sich halt über den Stein.“ Wie abgesägt liegt er im Grasbett am Rande des Weges, als warte er darauf, Teil der Landschaft zu werden. Die schwarzen Buchstaben sind leicht verwittert, wirken wie verschmierter Filzstift. Doch der Name auf dem Grabstein ist noch gut lesbar: Leo Blech.

„Die Besucher wollen schon wissen, wie es kommt, dass das Grab nicht mehr steht“, sagt Krauß. Manchen müssen er und seine Mitarbeiter erst erklären, wer Leo Blech eigentlich war. Ein namhafter Komponist und Dirigent jüdischer herkunft. Generalmusikdirektor in Berlin mit Anstellungen am Deutschen Opernhaus Charlottenburg, der Volksoper später auch der Staatsoper Unter den Linden. Ein Verfolgter des Nazi-Regimes, der es im schwedischen Exil zum Hofkapellmeister brachte und nach seiner Rückkehr mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. Der Stein, der dort ruhig im Gras ruht, markierte bis Anfang dieses Jahres seine letzte Ruhestätte. Ein Ehrengrab, das keines mehr ist und in dem jetzt ein anderer neben Leo Blech ruht. Wie lange währt Nachruhm?

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