Mamie war die Großmutter meiner Frau, sie wurde 101 Jahre alt und trug bis zu ihrem Tod eine weiße Perlenkette, hochhackige Schuhe und Röcke, die knapp über dem Knie endeten. Sie wohnte in Paris, in der obersten Etage eines Hauses, das den Friedhof Montparnasse überragte, auf dem ihr Ehemann viele Jahre zuvor begraben worden war. Als es ihr am Ende ihres Lebens nicht mehr so gut ging, blickte sie manchmal von ihrem Schlafzimmerfenster auf den Friedhof hinunter und murmelte, wie sehr sie sich darauf freue, schon bald neben ihrem Mann zu liegen.

Mamie war eine gläubige Frau, weshalb ihr der Tod keine Angst machte. Vor allem glaubte Mamie an die Liebe, die ihr das Wichtigste im Leben war. „Lieben und geliebt werden, nur darum geht es, Kinder“, pflegte sie immer und immer wieder zu sagen. Sie wirkte dabei so beschwingt und glücklich, dass eigentlich niemand an ihren Worten zweifeln konnte.

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