Ich war mit Freunden in Riga, im Rahmen unseres legendären Männerreise-Programms, das mich schon an viele Orte der Welt geführt hat, von denen ich nie viel gesehen habe. Denn auf den Männerreisen, wie ich sie kenne, wird traditionell sehr viel geschlafen. Und gegessen. Und dann wieder geschlafen. Die Zwischenzeit vertreiben wir uns oft mit dem Genuss von alkoholischen Erfrischungsgetränken. Es bleibt also nicht viel Spielraum, um die Gegend zu erkunden, um Land und Leute zu entdecken. Meistens lernen wir nur die unmittelbare Umgebung unserer Ferienwohnung kennen, in einem Umkreis von maximal fünfzig Metern.

Mein Freund und Kollege Jochen Gutsch hatte dieses Mal die Aufgabe, die Ferienwohnung zu reservieren, was ihm (wie wir alle fanden) auf beeindruckende Weise gelungen ist. Wir residierten in einem Refugium, das aussah wie der feuchte Traum eines lettischen Klein-Oligarchen. Gutsch selbst bewohnte ein Zimmer mit verspiegelten Wänden und einer freistehenden Rokoko-Badewanne. So konnte er sich während des Badens aus verschiedensten Perspektiven betrachten. Ich selbst war in einer mit viel Plüsch und Tüll dekorierten Dachkammer untergebracht, deren Balken mit Goldfarbe gestrichen waren. Wir hätten in diesen Gemächern vermutlich einen großartigen Arthouse-Porno drehen können. Aber leider waren ja nur Männer dabei, und für einen Schwulen-Porno fehlte uns irgendwie der Mut. Und natürlich auch die Zeit.

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