New York - Als Mister Spock gab Leonard Nimoy zahlreiche markante Aussprüche von sich („Logisch“), zu den einprägsamsten zählte aber zweifellos sein vulkanischer Gruß: „Live long and prosper“ – oder in der Sprache seines Heimatplaneten „Dif-tor heh smusma“ – lebe lange und in Wohlstand. Dazu hob er die Hand zu einer Art V-Zeichen, wobei jeweils zwei Finger nebeneinander lagen. Mister Spock war eben formvollendet, verlor nie die Contenance und erst recht niemals den Verstand. Man übertreibt nicht, wenn man ihn als einen der ikonischen Charaktere der Filmgeschichte bezeichnet.

Zu einen solchen hätte die Figur des ersten Offiziers des Raumschiffs USS Enterprise niemals avancieren können, wäre er nicht von Leonard Nimoy verkörpert worden. Mit seinen feingezeichneten, scharfen und gleichzeitig strengen Gesichtszügen war Nimoy gleichsam Spock – ein Mann der Disziplin und unbedingten Loyalität zur Sternenflotte, zur Vereinten Föderation der Planeten – und zu seinem Kapitän, James Tiberius Kirk alias William Shatner.

Seelen-Anker im Weltraum

Diese beiden waren die beiden unbestrittenen Anführer der Crew der Enterprise, die so viele eigenwillige Typen besaß, Mr. Sulu am Steuer und Scottie im Maschinenraum, der Russe Pavel Chekov und für die Frauenquote die Kommunikationsoffizierin Lt. Uhura. Sie stießen in die unbekannte Weiten vor, die Gene Roddenberry in den 60er Jahren ursprünglich mit einer Fernsehserie erschloss.

Kinofilme folgten, und glücklicherweise auch der Export der Reisen mit der Enterprise in alle Welt, auch nach Deutschland, wo ihr Samstagsabends bevorzugt der männliche Nachwuchs huldigte. „Raumschiff Enterprise“, das war alles, wovon man träumen konnte: Technik und Warp-Antrieb, die Begegnung mit seltsamen, kriegerischen, aber nie überlegenen Spezies wie den Klingonen und eben die träumerische Weite des Weltraums. Es war Spock, und eben nicht immer der aufbrausende und sehr menschliche Captain Kirk, der darin keinen Augenblick die Übersicht verlor.

Spock trifft Spock

Leonard Nimoy wurde 1931 als Sohn jüdisch-orthodoxer, jiddisch sprechender Einwanderer aus der Ukraine in Boston geboren. Seine Karriere als Schauspieler begann er früh, als Kinderdarsteller in seiner Geburtsstadt und später mit einem Studium am Boston College für Schauspielerei. 1960 spielte er einmal bei „Bonanza“ mit, auch in Kinofilmen hatte er Auftritte, aber seine Berufung fand er 1966. Das war der Start der Enterprise.

Nimoy hat auch Musik gemacht und gesungen; 1967 etwa erschien seine Schallplatte „Leonard Nimoy presents Mr. Spock’s Music from Outer Space“. Er hat als Regisseur gearbeitet, und dies nicht nur als Dirigent weiterer Enterprise-Abenteuer im Kino – er hat in anderen Filmen als den Episoden von „Star Trek“ mitgewirkt wie 1978 in „Die Körperfresser kommen“ (Invasion of the Body Snatchers). Aber die Rolle seines Leben war Mister Spock.

Als dieser kehrte er 2013 sogar auf die Leinwand zurück, obwohl er sich und allen Trekkies geschworen hatte, den wohlverdienten Ruhestand zu genießen. In der – großartig gelungenen – Fortsetzung der „Star-Trek“-Abenteuer „Into Darkness“ begegnet er als alter Mann seinem jungen Selbst, das von Zachary Quinto verkörpert wurde. Diese Wiederbegegnung trieb einem die Tränen in die Augen.

Lebe lange und in Wohlstand. Sein vulkanischer Gruß stand als glücklicher Leitspruch auch über Leonard Nimoys Leben. Spock hat ihm Wohlstand beschert. Und ein langes Leben war ihm auch vergönnt. Im Alter von 83 Jahren ist Leonard Nimoy gestorben. Wenige Tage vor seinem Tod aber twitterte Nimoy einen beinahe galaktischen Abschiedsgruß: "Das Leben ist wie ein Garten. Perfekte Augenblicke können erlebt, aber nicht bewahrt werden - außer in der Erinnerung." (red/dpa)