Hurra! Nach langer Irrfahrt hat „Gottschalk live“ wie durch Zufall doch noch sein anvisiertes Ziel erreicht: Eine unterhaltsame Sendung mit einem netten Gastgeber, einem gesellschaftlichem Anliegen und einem digitalen Rückkanal für Mitmachwillige. Und prompt arbeitet sich Gottschalk seiner Wunscherfüllungs-Idee „66 Träume“ aus dem absoluten Quoten-Tal von nur 500.000 Zuschauern wieder zu einer knappen Million hoch.

Dass die im Januar so stolz und bejubelt aufgebrochene Show „Gottschalk Live“ mit letzter Kraft ihren Zielhafen erreichte, ist aber nicht dem Kapitän auf der Brücke zu verdanken, sondern einer Meuterei des Publikums, das Gottschalk zu diversen Wendemanövern zwang. So ging es Gottschalk wie Kolumbus: Er entdeckte etwas, das er gar nicht gesucht hat.

Die Idee der „66 Träume“ (Untertitel: „Dem Sendeplatz einen Sinn geben“), mit der „Gottschalk live“ nun so gut im Quotenwind steht, widerspricht so ziemlich allem, womit Gottschalk ursprünglich Unterhaltung machen wollte: Es gibt keine Prominenten mehr und keine Internet-Gimmicks. Die Show ist nicht live, nicht tagesaktuell und erst recht nicht berufsjung. Sie setzt vielmehr auf etwas, das Gottschalk schon bei „Wetten, dass ..?“ ziemlich egal war: Die großen Ideen der kleinen Leute.

Dass der Gastgeber den Vertreten kleiner karitativer Initiativen dieser Tage so zugewandt zuhört, ist wirklich eine neue Seite an Thomas Gottschalk. Warum hat er sie nie zuvor gezeigt? Vielleicht, weil er in besseren Tagen immer Besseres, Größeres, Schillerndes, Eitleres vorhatte?

Unzweifelhaft hat sich Thomas Gottschalk um das deutsche Unterhaltungsfernsehen verdient gemacht. Aber umgekehrt gilt das auch. Zunächst unmerklich, dann aber immer offensichtlicher hat das ZDF „Wetten, dass ..?“ um Thomas Gottschalk und seine Lust auf internationale Showgäste herum gebaut. Weil die nach Transatlantikflug und Jetlag oft auch nicht so genau wussten, wo sie da gelandet waren, fiel nicht weiter auf, dass Gottschalk sich die Namen seiner Gäste kaum merken konnte und oft eher lustlos durch eine Sendung führte, die für viele Zuschauer längst zu einer liebgewonnen, also nicht mehr kritisch hinterfragten Gewohnheit geworden war. Das machte „Wetten, dass ..?“ unsinkbar. Erst in „Gottschalk live“ musste der hoch dekorierte Kapitän wieder zeigen, was er eigentlich drauf hat.

Moderationskarriere an Format geknüpft

Die Showgeschichte ist voll von Moderationskarrieren, die fest an ein Format geknüpft waren: Kulenkampff war genial bei „Einer wird gewinnen“ , scheiterte aber kläglich an „Der große Preis“. Schreinemakers war „Schreinemakers live“, ging aber mit allem baden, das sie danach moderierte. Linda de Mol konnte nie an ihren Erfolg mit der „Traumhochzeit“ anschließen. Und was wäre Harald Schmidt ohne seine „Harald Schmidt Show“?

Aber diese Symbiose ist kein Naturgesetz: Rudi Carrell, Alfred Biolek, Kai Pflaume, Jörg Pilawa, wie es aussieht auch Matthias Opdenhövel waren und sind gut, egal auf welche Bühne man sie stellt. Nüchtern betrachtet, ist Thomas Gottschalk ein One-Hit-Wonder. Das Format, das ihn zurück in die TV-Charts bringt, müsste erst noch erfunden werden. Aber fehlt es überhaupt? Eben.