In gewisser Weise ist es bedauerlich, dass am Freitag die Fußball-EM beginnt und die Redaktion von „Gottschalk live“ keine Chance mehr hat, einen finalen Konzeptwechsel für ihre Sendung durchzusetzen. Dabei hätte der doch auf der Hand gelegen: Der Studio-Schreibtisch wäre durch ein schmales Pult ausgetauscht worden. Die Gäste hätten fortan stehen müssen, weil das beim Buzzerdrücken und Fragenbeantworten besser für die Durchblutung ist. Zum Schluss hätte jemand Bargeld gewonnen. Und Thomas Gottschalk hätte, kurz bevor er in den wohlverdienten Urlaub entschwindet, ein für alle Mal bestätigen können, dass er auch als Gastgeber einer durchschnittlich langweiligen ARD-Vorabendrateshow mit dem Titel „Gottschalk live – Das Quiz“ völlig fehl am Platz ist.

In allen anderen Genres hat er den Beweis im Laufe der vergangenen Monate ja schon erbracht: Gottschalk eignet sich nicht für die Moderation einer konzeptlosen Boulevardschau mit Facebook-Aufsatz; er kriegt die Leute nicht mit einem belanglosen Promi-Talk zum Einschalten; und wenn er den Betroffenheitsonkel in einer Träume-Erfüllshow spielt, die mit Gemeinnützigkeit geflutet und kitschiger Musik zugekitscht wird, schaltet – wie in den vergangenen Wochen – fast gar niemand mehr ein.

Vielleicht wird es langsam Zeit, dass sich in der ARD auch mal jemand dafür zuständig fühlt, Gottschalk endlich eine Sendung zu geben, die tatsächlich seinen Talenten entspricht. Immerhin hat er die bei der Konkurrenz über zwanzig Jahre verhältnismäßig gut einsetzen können.
Thomas Gottschalk ist von Beruf Showmaster. Seine Stärke ist die Spontaneität und dass er keinen falschen Respekt vor großen Namen hat. Er weiß mit internationalen Stars genauso umzugehen wie mit dem bayerischen Bauern oder dem zehnjährigen Nachwuchstalent. Das lässt sich aber nur schwer ausspielen, wenn es von Werbepausen durchhäckselt, auf Karteikärtchen festgeklebt oder durch Wettermoderationen unterbrochen wird. Das wüstenfarbene Standardstudio, in das die Redaktion ihn zum Schluss gesetzt hat, ist exakt die Kulisse, in der Gottschalk nicht funktioniert.

Wer soll denn sonst für die Unterhaltung sorgen?

Dass er jetzt ein paar Monate in die Irre moderiert hat, ist aber noch lange kein Grund, ihn vollständig aus dem Programm zu verbannen. Ehrlich gesagt, können wir es uns auch nicht so richtig aussuchen. Anders gefragt: Wer soll denn sonst für die Unterhaltung am Samstagabend zuständig sein? Guido Cantz? Oliver Pocher? Dieter Bohlen? Das deutsche Fernsehen hat sonst keinen mehr wie Gottschalk. Wenn im Oktober der Entertainment-Azubi Markus Lanz „Wetten, dass..?“ übernimmt, wird das noch einmal richtig auffallen.
Die ARD wäre gut beraten, würde sie ihr Vorabend-Experiment „Gottschalk live“ schnell als Flop abhaken und den Moderator motivieren, zu dem zurückzukehren, was er am besten kann: ein paar Millionen Menschen vor dem Fernseher zweieinhalb sorgenfreie Stunden zu bescheren. Dafür braucht es kein revolutionäres neues Showkonzept, erst recht keine eilig zusammengezimmerte „Wetten, dass..?“-Kopie – sondern bloß eine Bühne, die groß genug ist, damit Thomas Gottschalk sich auf ihr wohlfühlt.