Manchmal liegen Abschied und Neuanfang dicht beieinander. An einem Novembersonntag steht Dieter Birr von den Puhdys ganz alleine auf der Bühne des Konzerthauses Tivoli im sächsischen Freiberg und singt. Der Saal ist gut gefüllt, wenn auch nicht, wie an den Tagen zuvor, restlos ausverkauft. Drei Abende haben die Puhdys gerade im Tivoli gespielt. Es ist ihre Abschiedstour. An diesem Sonntagnachmittag ist Dieter Birr kein Puhdy, sondern solo. „Maschine“, wie ihn alle Welt nennt. Er talkt mit seinem Tourmanager Kai Suttner über sein Leben, das eine Vergangenheit hat und gerade noch eine Gegenwart, die Puhdys heißen, aber schon eine Zukunft. Ohne die Band.

„Im letzten Jahr hat mich mein Herz gefragt,/kennst du noch einen anderen Weg?“, singt Birr in dem Song „Mein Weg“. „Noch hast du Zeit, auch Neues zu probieren/ bevor sie endgültig ohne dich vergeht.“ Es war 2014, als Birr den etwas holprigen Text sang, Birr arbeitete damals an einem Soloprojekt. Die Puhdys saßen zusammen und stimmten darüber ab, ob sie als Band weitermachen oder aufhören sollten. Das Management war für Aufhören; besser freiwillig gehen, als irgendwann von der Bühne schleichen, weil keiner mehr die Band hören will, meinte es. Die Musiker hatten die Entscheidung jedes Mal vertagt.

„Wir sind doch immer besser geworden“

Auch jetzt war es kein einfacher Entschluss. Die Puhdys sind gut im Geschäft, die Fans kommen in Scharen zu den Konzerten der Band, die Kultstatus hat. Aber schließlich war es nur Peter Meyer, der nicht aufhören wollte. Meyer ist seit 46 Jahren der Keyboarder der Puhdys, er ist 75, der Senior, sein Enkel spielt schon in einer Rockband. Meyer will in seinem Alter nicht noch einmal von vorne anfangen, und er hat auch kein anderes Projekt, das er verfolgen könnte.

„Wir sind doch immer besser geworden“, meinte er. Aber er wurde überstimmt und der Abschied für das Ende des Jahres 2015 beschlossen und verkündet. So sind die Puhdys in diesem Jahr auf einer letzten Tournee quer durch die Republik. Na ja, nicht ganz. Für das nächste Jahr sind schon wieder zwölf Konzerte zusammen mit City und Karat geplant. So heißt es jetzt offiziell: Die letzte Solotournee, die am 1. und 2. Januar mit Konzerten in der Berliner Mercedes-Benz-Arena enden wird.

Kurz vor seinem Auftritt an diesem Nachmittag im Tivoli spielt Dieter Birr für seinen Chemnitzer Fanclub Losfee. Der Club hat die 24 besten Puhdys-Titel aller Zeiten auswählen lassen, und jetzt zieht Maschine etwas linkisch die Gewinner, für die es Preise gibt; Aufkleber, signierte Gitarrenplättchen, Kalender, Broschüren, eine Flasche Puhdys-Schnaps als Hauptgewinn. In der Adventszeit wird es auf der Website des Fan-Clubs einen Weihnachtskalender geben: Jeden Tag eines der 24 Lieder mit einem kleinen Video dazu.

René Tiedemann vom Fanclub hat einige der Filmchen bei Konzerten selber gedreht. Der 37-jährige rundliche junge Mann war schon als Halbwüchsiger Puhdys-Fan. Nach und nach hat er sich alle Platten und CDs zugelegt. Er hat sich eine Gitarre gekauft und gelernt, die Songs der Band nachzuspielen. Er mag „die unverkrampfte Gradlinigkeit der Lieder und der Band“, er findet es so ehrlich, was „Maschine“ rüberbringt, sagt er.

Kaffee, Bier und Kirschlikör

Tiedemann, er arbeitet in Chemnitz als Metallhärter, hat sich frei genommen und sich keines der Konzerte im Tivoli entgehen lassen. Jeden Tag stand er mit anderen Unentwegten schon ein paar Stunden vor Beginn bei Kälte und Regen vor dem Konzerthaus, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Auch jetzt sitzt er mit seiner 33-jährigen Freundin Tina, einer Altenpflegerin, die aus Berlin-Schöneberg angereist ist, ganz vorne und hört „Maschine“ zu. Die beiden sind sich bei einem Fantreffen nähergekommen und seitdem ein Paar mit einer gemeinsamen Leidenschaft, die Puhdys und speziell „Maschine“ heißt.

Dieter Birr vorn auf der Bühne erzählt Anekdoten, setzt Pointen, macht Witze. Er erzählt, wie er in den Siebzigern bei einem der ersten Konzerte in West-Berlin in einem Laden ein Kassettendeck kaufen wollte, die es im Osten nicht gab. Aber die Kassettendecks waren ausverkauft.

„Frag doch Harry Jeske“, riet ihm die Ladeninhaberin, die die Puhdys kannte, weil die öfter bei ihr kauften, „der hat gerade 100 Stück bei mir gekauft und in den Osten gebracht.“ Der Saal lacht, die Leute wissen, wie es mit Kassettendecks war und hören gerne die alten Geschichten. Und der Geschäftssinn des früheren Bassisten und Bandmanagers hat sich schon lange bis Freiberg rumgesprochen. Jeske hat 1997 bei den Puhdys aufgehört, lebt jetzt auf den Philippinen und handelt mit Bambusmöbeln.

Der Kreisssaal der Puhdys wird das Konzerthaus Tivoli genannt, weil die Band hier am 19. November 1969 zum ersten Mal aufgetreten ist. Wie es zu diesem ersten Mal kam, weiß von den aktiven Puhdys keiner mehr so genau. „Wenn wir anfangs in unserem Wolga unterwegs waren, ließ unser Manager Harry Jeske kein Kulturhaus aus, das am Wegesrand lag und kam meistens mit einem Auftrittsvertrag wieder raus“, erinnert sich Dieter Birr. „So wird der auch das Tivoli besorgt haben.“
Die Puhdys spielten damals in Freiberg zum Mittwoch-Tanz. Im Saal saßen ungefähr 80 Leute an weiß gedeckten Tischen, es gab Kaffee in Kännchen, Bier und Kirschlikör und staunten nicht schlecht über die Jungs aus Berlin.

„Welchen Takt die Jugend wählt, ist ihr überlassen“

„Wir hatten etwa 15 Titel drauf“, erzählt Dieter Birr, „alles englisch, obwohl ich gar kein Englisch konnte. Später saß mal eine Zuhörerin aus den USA im Saal, ich sang mein bestes Englisch, und die dachte doch glatt, das wäre Deutsch.“ Birr kann sich noch erinnern, dass er damals mit „Venus“ von Shocking Blue begann, sie machten „With a Little Help from My Friends“, die Cocker-Fassung, Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep, solche Sachen.

„Wir waren die Stellvertreter für die Bands, die die Leute eigentlich hören wollten, aber nicht konnten“, sagt Dieter Birr. „Davon haben wir profitiert. Wir spielten damals zum Tanz immer drei Titel, Pause, dann wieder drei Titel. Fünf Stunden lang. Wenn unser Repertoire zu Ende war, fingen wir wieder von vorne an.“

Die Sechzigerjahre in der DDR waren ein ständiges Hin und her, was die Beat-Musik betraf. Im Gefolge der Beatles und Rolling Stones entstanden auch im Osten Formationen, die sich Butlers, Sputniks und Luniks nannten, und die man erst mal spielen ließ. „Welchen Takt die Jugend wählt, ist ihr überlassen“, hieß es 1963 in einem überraschend liberalen SED-Kommuniqué. Doch es taute nur kurz. Ab dem Spätsommer 1965 setzten sich die Hardliner innerhalb der SED wieder durch und wandten sich gegen den Ost-Beat. Willkommener Auslöser war das Konzert der Rolling Stones in der West-Berliner Waldbühne am 15. September. Dort hatten ekstatische Fans randaliert, sich mit der Polizei geprügelt, S-Bahnzüge demoliert.

Auf dem 11. Plenum der SED wenige Wochen später wurde die Beat-Musik als Waffe des kapitalistischen Gegners enttarnt, mit deren Hilfe „Rowdytum“ und amerikanische Lebensweise unter den DDR-Jugendlichen verbreitet werden sollten. „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen?“, sprach Parteichef Walter Ulbricht. „Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen.“
Und dann sangen die Puhdys vier Jahre später im Tivoli doch nur englisch. Da war schon wieder mal Tauwetter. Und was sollten die Klubhausleiter auch machen, die wollten ihre Häuser voll kriegen, und deutschsprachigen Rock gab es noch nicht. Also wurde getrickst.

Hallo Freiberg, Hallo Puhdys

Walter Deisinger war damals einer, den die Partei und ihre Medien „Gammler“ nannten: Haare bis auf die Schultern, Motorrad, Heule, Westmusik. Deisinger war Betonfacharbeiter im privaten Betrieb des Vaters in einem Dorf in der Nähe von Freiberg. Er war im Ort der Einzige mit langen Haaren, in Freiberg gab es vier, fünf Gleichgesinnte. Deisinger war 1969 mit seinem Bruder Karl-Heinz, der Steinmetz lernte, im Tivoli beim ersten Puhdys-Auftritt. „Von den 600 Mark, die ich verdient habe, hab’ ich 400 ausgegeben, um mit dem Motorrad zu den Muggen in der Gegend zu fahren“, erzählt er. „Wir waren drei Abende die Woche unterwegs.“

Die beiden Brüder stehen am Nachmittag vor dem ersten Konzert der Puhdys auf dem Obermarkt in der Freiberger Altstadt, wo gerade die Buden für den Weihnachtsmarkt aufgebaut werden. Es regnet ein bisschen, aber vor der kleinen Bühne in der Mitte des Marktes haben sich trotzdem etwa 200 Menschen versammelt. Sie warten auf ihre Idole, es soll eine Überraschung geben

Die Brüder Deisinger wuchten eine Steinplatte aus einem Kombi auf die kleine Bühne auf dem Freiberger Obermarkt und hängen ein rotes Tuch darüber. Die Puhdys kommen im Bus angefahren, klettern auf die Bühne und zeigen sich den Fans. Dieter Birr breitet die Flügel aus wie ein Albatros vor dem Flug, ruft Hallo Freiberg, die Fans rufen „Hallo, Puhdys“. Oberbürgermeister Sven Krüger zieht das rote Tuch weg und enthüllt einen Gedenkstein, den der Steinmetz Deisinger angefertigt hat.

Er soll später auf dem Markt eingelassen werden und an die legendären Auftritte der Puhdys in der Stadt erinnern. Es gibt Bier und Schnaps für die Band und von der Traditionskonditorei Hartmann gleich gegenüber eine Torte, auf der fünf Marzipan-Musiker sitzen. Kleine Puhdys aus dem Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt sagen kleine Sprüche auf.

Zum 25. Jubiläum eine Puhdys-Eiche

Ein Plakat auf der Bühne kündigt ein Buch über die „Puhdysstadt Freiberg“ an, das ein freier Journalist geschrieben hat. Da steht dann drin, dass die fünf Musiker Ehrenbergleute sind, seit ihnen 1994 „das Arschleder umgelegt wurde“. Im selben Jahr wurden vor dem Tivoli eine 25-jährige Puhdys-Eiche gepflanzt und ein Meilenstein eingegraben, es gab ein Sektfrühstück in den Silberminen und – eine alte Freiberger Studententradition – ein Löwenreiten auf dem Bronzebrunnen „Otto der Reiche“, der auf dem Markt steht.

Der Freibergsdorfer Hammer wurde besichtigt, und die Puhdys heirateten symbolisch die Bergstadtköniginnen der letzten fünf Jahre. Ein Wunder, dass es sie noch nicht als Nussknacker und Räuchermännchen im Souvenirladen gibt. Dabei wollten sie doch eigentlich immer nur spielen. Birr breitet noch einmal die Schwingen aus, dann entschwinden die Puhdys ganz schnell wieder.

Dieter Ehrlich kommt an diesem Novemberwochenende wie jedes Jahr von Flöha, wo er wohnt, zum Konzert nach Freiberg herüber. Ehrlich geht an den Hardcore-Fans vorbei, er steht auf der Gästeliste. „Hej, der Indianer“ – so wird der kleine untersetzte Mann in Jeansklamotten, mit weißem Rauschebart und Schirmmütze auf dem Kopf mit lautem Hallo von den Bandmitgliedern begrüßt. Sie kennen sich eine Ewigkeit. Ehrlich, der Schmied gelernt hatte, war von 1970 bis 1980 Techniker der Puhdys. Der erste fest angestellte Roadie einer Rockband in der DDR. Seinen Spitznamen Indianer soll ihm Peter Meyer verpasst haben.

„Der saß immer da, wenn wir kamen. Und wenn er später nicht gerade die Technik für uns aufbaute, saß er wieder nur da und schwieg.“ Ehrlich hat in den Siebzigerjahren Hunderte Konzerte der Puhdys betreut, oft dreißig und mehr im Monat. Er war der Techniker und manchmal auch der Tröster für die Groupies, wenn mal wieder eine Affäre mit einem der Jungs aus der Band zu Ende ging, und das passierte öfter in den ersten, wilden Jahren. Einmal, erzählt Ehrlich, kam „das ganze Panikorchester der Puhdys-Ehefrauen unangemeldet zu einer Mugge, weil ihnen zu Ohren gekommen war, was da lief. Alle Aussprachen und Ausreden halfen nix. Die Frauen reisten empört wieder ab.“

Songs, die zu Hymnen

Nur den eigentlichen Durchbruch der Band hat Dieter Ehrlich nicht hautnah miterlebt, weil der in einem Studio passierte und nicht auf der Bühne. Wie so vieles war dieser legendäre Moment dem chronischen Devisenmangel der DDR geschuldet. Regisseur Heiner Carow dreht einen Film, er heißt „Die Legende von Paul und Paula“. Eigentlich sollen im Film „Spicks and Specks“ von den Bee Gees und „Look Wot You Dun“ von Slade laufen, aber das ist zu teuer. Stattdessen komponiert Peter Gotthardt, der für die Filmmusik zuständig ist, zwei eigene Titel, denen dann die starke Ähnlichkeit zum Original anzuhören ist. Die Texte schreibt Ulrich Plenzdorf, der Drehbuchautor des Films, in einer Nacht.

Gotthardt sucht eine Rockband und entscheidet sich für die Puhdys. Der Film beginnt, ein Haus stürzt ein, ein Klavier setzt ein, Dieter Birr singt mit knarrender Stimme „Wenn ein Mensch lebt“, später noch „Geh zu ihr“ zu einer Liebesszene zwischen Paul und Paula. „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen. Geh zu ihr, denn du lebst ja nicht vom Moos allein.“

Die Songs werden zu wahren Hymnen, auf einen Schlag werden die Puhdys berühmt in der Republik. Auch, weil der Generalsekretär Erich Honecker den vom Verbot bedrohten Film persönlich zulässt, nachdem er ihn am Vormittag vor der Premiere angesehen hat. Honecker krittelt intern an dem Film herum, aber er soll sich auch amüsiert haben und will sich den Künstlern als jovialer und verständnisvoller Partner zeigen.

Dieter Ehrlich hätte den Job bei den Puhdys ewig weitergemacht. „Das Klima in der Band war super“, sagt er. „Da gab es keine Unterschiede zwischen Musikern und Technikern, wir waren eine verschworene Truppe.“ Er konnte in den Westen reisen und hatte genug Ost- und Westgeld, denn die Band teilte die Einkünfte mit den Technikern. Aber 1980 endete der Job von heute auf morgen. „Am Vorabend einer Reise nach Dortmund unterrichtete mich Bandchef Jeske, dass ich nicht mitfahren darf. Die Kulturfunktionäre glaubten, dass ich abhauen könnte.“ Dabei hätte er das schon x-mal gekonnt. Ehrlich weiß bis heute nicht sicher, was damals lief, auch in seinen Stasi-Akten hat er nichts gefunden.

Loyalität als Gegenleistung

Ehrlich geht zurück in seine sächsische Heimatgemeinde, er wird Kraftfahrer des Bürgermeister und Schlosser und behält den Job bis zur Rente. Die Puhdys verfolgt er aus der Ferne, und wenn sie im Tivoli spielen, ist er immer dabei.

Die Band ist auf der Erfolgsspur. Tourneen ins sozialistische Ausland, 1976 der erste Auftritt in Westdeutschland, dem viele weitere folgen. Da verdienen die Puhdys in der DDR schon 3 000 Ostmark pro Konzert plus 5 600 Probengeld monatlich für die Musiker und zwei Techniker. Ab 1985 können sie Exklusivverträge abschließen, 20 000 Euro für einen Auftritt verlangen und sind die erfolgreichste Rockband der DDR. 1981 geben die Puhdys ein Konzert in der Waldbühne in West-Berlin, und 12 000 Zuhörer kommen. Im selben Jahr unternehmen sie eine Promotion-Tour durch die USA. Zwölf Mal werden sie von den Lesern der DDR-Jugendzeitschrift Neues Leben zur beliebtesten Rockband der DDR gewählt. 1982 erhalten sie schließlich aus den Händen von SED-Chef Erich Honecker als erste Rockband den Nationalpreis der DDR.

Die Gegenleistung ist Loyalität der DDR gegenüber. Anders als etwa die Gruppe Renft wollen die Puhdys nie Politrebellen sein. Sie wollen ihre Fans, die auch keine Rebellen sind, mit einfachem Rock ’n’ Roll, eingängigen, authentischen Texten und guten Shows unterhalten. Das funktioniert. „Klar“, sagt Dieter Birr, „klar wollten wir gefallen, das ist doch legitim.“

Die Sache mit BAP

Es gibt keine Berührungsängste, die Puhdys spielen auf FDJ-Veranstaltungen ebenso wie in West-Sporthallen. „Immer schön die Mitte halten“, hat Manager Harry Jeske mal den Kurs beschrieben. „In the middle of the road.“ Dass das auch ein Dilemma ist, kann man in manchen Texten wenigstens in Andeutungen hören. „Ich war ein Mensch mit hunderttausend Träumen./ sie einzulösen fehlte mir der Mut./Von den Träumen blieb mir nur die Sehnsucht./Und schon lag die Asche auf der Glut …“

1984 wird es dann doch noch mal politisch. Für den Januar ist eine Tournee der Kölner Band BAP durch die DDR geplant. Als BAP sich vor dem ersten Konzert bei „Rock für den Frieden“ im Palast der Republik weigert, ein Lied, das den DDR-Funktionären nicht passt, von der Setlist zu nehmen, kommt es zum Eklat. Die Band bricht die Tournee ab, ehe sie angefangen hat, und fährt nach Hause.

Die Puhdys werden gefragt, ob sie statt BAP spielen würden. Sie hätten nein sagen und sich mit BAP solidarisieren können. Sie sagen ja. „Uns schlotterten die Knie, als wir auf die Bühne kamen“, erzählt Birr, „und wir rechneten damit, ausgepfiffen zu werden. Da war auch anfangs so. Aber nach drei, vier Titeln hatten wir den Saal.“

Dreißig Jahre später hat BAP-Chef Wolfgang Niedecken mit dem, was damals passiert ist, seinen Frieden gemacht. Er hat sich mit Dieter Birr ausgesprochen, zusammen gehen sie ins Studio und spielen einen Song ein über die Zeit damals. Das Lied singen sie zusammen auf „Maschines“ Soloalbum.

„Es war schön“

Am letzten Abend ist das Tivoli so voll, dass man kaum stehen kann. Es ist der letzte Auftritt der Band, wahrscheinlich werden die Puhdys nie wieder hierherkommen. Vorn in der ersten Reihe stehen René und seine Freundin Tina und all die anderen vom Fanclub. Der Indianer steht etwas weiter hinten, Walter Deisinger ist auch wieder da. Eine fast feierliche Stimmung herrscht, als die Musiker auf die Bühne kommen. Band und Publikum sind gemeinsam durchs Leben gegangen, zwanzig, dreißig Jahre oder mehr.

Sie haben die gleichen Erfahrungen gemacht. Gearbeitet und gefeiert, geliebt und getrauert, gelacht und geweint. Gewonnen und verloren. Die Band vorne auf der Bühne nimmt die Zuhörer noch einmal mit auf die Reise, und es ist eine Reise auf Augenhöhe. Das macht sie immer noch aus, die Puhdys.

„Es war schön“, singt „Maschine“ Dieter Birr, und René Tiedemann singt beseelt mit, so wie all die anderen im Saale: „Winde drehn,/Menschen gehn./Was war, kann uns keiner mehr nehmen.“ Eine Hymne der Erinnerung.
Am Vormittag nach dem Abschiedskonzert legen ein paar Helfer Flyer auf die Stühle, die für die Dieter-Birr-Show in den Saal gestellt werden. Sie kündigen seine Solo-Tournee an, die 2017 beginnen wird. Er wird dann mit einer neuen Band aus hochkarätigen Musikern spielen, unter anderem mit Uwe Hassbecker von Silly. Auch im Tivoli wird Dieter Birr auftreten, ab sofort gibt es Karten.

Die Zukunft hat gerade begonnen.