Es gibt jetzt ein zweibändiges Lexikon des Dialogs. Das ist gut. Reden hilft immer. Schweigen kann zwar auch angeraten sein, zwischen Partnern jedoch, die derart viel Missverständnisse und Vorurteile aufgehäuft haben, aber gemeinsam leben müssen und hoffentlich auch wollen, ist Dialog der einzige Weg, so mühsam er sein mag. Freuen wir uns also, dass dieses Lexikon des Dialogs versucht, die „Grundbegriffe aus Christentum und Islam“ zu erhellen.

Die 2002 gegründete Eugen-Biser-Stiftung hat es in Auftrag gegeben, der Herder Verlag gedruckt, aus Mitteln des Europäischen Integrationsfonds und – aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages – durch das Bundesministerium des Inneren wurde es kofinanziert. Für 38 Euro ist es nun zu erwerben.

Es ist viel zu lernen daraus. Dass die einzelnen Begriffe in eigenen Lemmata sowohl aus christlicher als auch islamischer Richtung dargestellt werden: schön. Dass man dabei an Leser denkt, die eher wenig bis ganz wenig wissen: überzeugend; die Kenntnisse in Religionsfragen sind gemeinhin niedrig, was die Wenigwissenden bekanntlich nicht hindert, behauptungsflotte Meinungen zu haben. Wissen hilft, noch immer.

Mitreden dürfen Juden nicht

Das sagen auch die Herausgeber dieses Lexikons. Sie sagen überhaupt lauter hoffnungsfrohe Dinge. Diese beiden Bände mögen helfen, „eine Atmosphäre stetig wachsenden Vertrauens zu schaffen“. So der Bundesverfassungsrichter a. D. Paul Kirchhof in seinem Geleitwort. Sie sollen dazu beitragen, „Ängste zu überwinden und Vorurteile abzubauen“. So der Rektor der Universität Ankara Erkan İbis. Klingt gut.

Aber. Wie kommt es nur, dass man sich um Vertrauen und Vorurteilsabbau zwischen Christentum und Islam müht, aber das dritte Familienmitglied der monotheistischen Religionen, das Judentum, außen vor lässt? Bedarf es zu diesem keiner „Brücken des Verstehens“? Soll uns das sagen, dass weder Christen noch Moslems noch all die Agnostiker, Atheisten und „Menschen guten Willens“, an die sich dieses Lexikon auch richtet, das Judentum nicht „kennen und verstehen lernen“ müssen, weil sie es schon gut genug kennen und verstehen? Wirklich?

Es gibt in diesem Lexikon Einträge zum Judentum, zur jüdischen Überlieferung, auch zu Antijudaismus und Antisemitismus. Aber mitreden dürfen Juden nicht. „Die Begegnung von Religion und Mensch vollzieht sich jeweils im geistigen Horizont einer bestimmten Zeit“, steht in den Einleitungstexten. So ist es. Und was sagt es über den geistigen Horizont dieses Lexikons, wenn das Judentum aus dem gemeinsamen Gespräch ausgeschlossen wird?