BerlinEs ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Der „Spiegel“ widmete sich am Donnerstag auf seiner Webseite auf zehn Seiten einem Sachverhalt, der das Nachrichtenmagazin vor 27 Jahren erschütterte. Damals, im Juli 1993, hatte das Blatt in der Titelgeschichte „Der Todesschuss“ unter Berufung auf einen Augenzeugen die Vermutung geäußert, die GSG 9 hätte auf dem Bahnhof von Bad Kleinen den wehrlosen RAF-Terroristen Wolfgang Grams quasi hingerichtet. Dass dies nicht stimmte, war schon wenige Tage später klar. Der damalige „Spiegel“-Reporter Hans Leyendecker, der den Bericht recherchiert hatte, entschuldigte sich mehrfach, seiner Quelle Glauben geschenkt zu haben.

Dem Ex-Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, der damals zurücktreten musste, reichte das nicht. Im Dezember 2018, der „Spiegel“ hatte gerade erst einräumen müssen, jahrelang frei erfundene Geschichten seines Reporters Claas Relotius abgedruckt zu haben, schrieb er dem Nachrichtenmagazin: „Hat es den Zeugen (von Bad Kleinen, Red.) gegeben, oder hat Leyendecker ihn erfunden?“

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