Skulptur vor der Lichtinstallation Ba-O-Ba Berlin- von Keith Sonnier in der Neuen Nationalgalerie in Berlin
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BerlinLicht ist ein schwer fassbares Ding: mal Teilchen, mal Welle. Für zahlreiche Künstler in den 60er-Jahren wurde Licht noch zu etwas Drittem: Material. Sofort fällt einem Dan Flavin ein, der früh Skulpturen aus Leuchtstoffröhren schuf. Die Strahlkraft dieser Werke hält bis heute an. Zur selben Zeit kreierte in Westdeutschland die Gruppe „Zero“, Künstler wie Heinz Mack und Otto Piene, Licht-Installationen aus rotierenden Scheiben und Hängespiegeln. Und in Kalifornien schufen Künstler wie James Turrell und Robert Irwin immersive Architekturen, die – wie die von Turrell beleuchtete Kirche auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte ­– von weichem, oft wechselnden Licht bespielt werden.

Der New Yorker Künstler Keith Sonnier muss unbedingt mit in dieser Reihe von Licht-Pionieren genannt werden, die das Medium Skulptur auf radikale Weise erneuerten. Wo Flavin und Turrell auf minimalistische Einfachheit setzten, wirken Sonniers Arbeiten aufgewühlter, sperriger, vielleicht auch komplexer. Seine Lichträume und -Skulpturen beziehen Neonelemente genauso ein wie Glasscheiben, Alufolie, Tücher, Kabel – also Fundstücke, Technisches und Industriematerial.

Keith Sonnier in der Galerie Ricke, Köln, 1987
akg-images Brigitte Hellgoth

Sonniers „Early Neon Series“ besteht aus Lichtmodellen, die in den Raum hineinragen und dabei oft wie eine Mimikry ans Leben wirken: ein Werk erinnert etwa an einen U-Bahn-Schacht, ein anderes an einen Altar. Die Steckdose hinter den Skulpturen hat Sonnier dabei nie versteckt. Es ging offenbar nicht um die Illusion einer „natürlichen“ Illumination, sondern um die kritische Verschränkung von Kunst und Welt, des hellen Scheins mit der minderbeleuchteten Realität. Letztere bricht immer wieder grell in die Werke hinein.

Zu Sonniers bekanntesten Arbeiten gehören leuchtende Wandinstallationen wie der knapp 1,2 km lange Light-Way am Münchner Flughafen. 2002 bespielte er die Neue Nationalgalerie in Berlin: Mit Leuchtröhren, deren strenge Geometrie und leuchtende Farben etwa ans Innere des Clubs Berghain denken lassen. In Anlehnung an frühere Werke nannte Sonnier die Arbeit „Ba-O-Ba Berlin“. Das ist haitianisch und bedeutet so viel wie: „im Licht gebadet“.

Nun ist Sonnier im Alter von 78 in New York verstorben. Trotz Krankheit war er bis zum Ende hin produktiv.