Nach dem ersten Kind war Schluss mit der Romantik. Ist das schlimm?

Sie fragen, unsere Frau für die Liebe antwortet. Heute: Was tun, wenn nach dem ersten Kind die Liebesbeziehung keine Priorität mehr hat?

Kaum ist das erste Kind da, ändern sich die Prioritäten in der Beziehung.
Kaum ist das erste Kind da, ändern sich die Prioritäten in der Beziehung.imago/PhotoAlto

Stefanie, 33: Liebe Frau Höfler, mein Partner und ich sind seit zehn Jahren zusammen und haben einen fünfjährigen Sohn. Wir verstehen uns gut, allerdings hat unsere Beziehung seit der Geburt unseres Kindes quasi nichts Romantisches mehr. Wir schlafen nicht mehr miteinander, küssen uns kaum, gemeinsame Abende gibt es extrem selten, weil wir keinen Babysitter in der Nähe haben. Die Sache ist: Mich stört das eigentlich gar nicht! Und auch mein Partner scheint sich damit arrangiert zu haben, manchmal scherzen wir auch darüber. Trotzdem frage ich mich natürlich, ob das auf lange Sicht gutgehen kann oder ob wir lieber jetzt etwas unternehmen sollten. Oder würden Sie raten abzuwarten, bis ein Leidensdruck entsteht?

Hallo Stefanie, wenn Kinder kommen, hat das einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Beziehung. In der Regel fühlen sich die Eltern bereichert, aber Kinder stellen einfach alles vorher Dagewesene auf den Kopf.

Besonders stark wird das deutlich, wenn wir uns die Prioritätensetzung der Eltern anschauen. Sehr häufig sehe ich Folgendes: Erst kommen die Kinder und die Haushaltorganisation, dann der Job, wenn etwas Zeit bleibt, wird diese vielleicht noch für sich selbst genutzt und an letzter Stelle findet sich die Paarzeit.

Unter Paarzeit verstehe ich die Zeit, die das Paar möglichst ungestört von den Kinder verbringen kann und sich miteinander beschäftigt. Vielleicht gehen sie zusammen  essen, kochen gemeinsam, nachdem die Kinder im Bett sind, oder treffen sich auf einen Kaffee, während die Kinder Mittagsschlaf halten – es gibt einige Möglichkeiten, wenn man danach sucht. Wenn man sich jetzt anschaut, wie viele Stunden die Woche zur Verfügung hat und wie viel Zeit davon tatsächlich für Paarzeit reserviert ist, wird den meisten Paaren häufig schnell bewusst, wie wenig sie tatsächlich aktuell in ihre Beziehung investieren. Das geht oft lange gut, und bestimmte Lebensabschnitte (erstes Lebensjahr des Kindes zum Beispiel) erfordern das sicherlich auch.

Intimität ist wichtiger als Sex

Dennoch bin ich oft erstaunt, wie viel Zeit vergeht, bis Paare bemerken, das ihnen etwas Wesentliches, was eine romantische Beziehung ausmacht, fehlt. Jetzt rede ich noch gar nicht von Sex, sondern von Intimität im Allgemeinen. Wie soll diese denn entstehen, wenn beide Erwachsene größtenteils mit der Kindererziehung, dem Haushalt und der Arbeit beschäftigt sind und dauerhaft wenig bis gar keine Zeit dafür haben, Nähe und Intimität aufzubauen. Jetzt wird es noch etwas komplexer, denn neben der Zeit stellt sich nun auch die Frage, wie der oder die andere für sich Intimität definiert, denn das kann sich durchaus über die Jahre verändert haben.

Wenn diese Frage beantwortet ist, wäre die nächste: Wie kommen Sie dorthin? Was brauchen Sie dafür? Häufig kommen wir dann wieder zurück zu der Zeit. Um diese zu gewinnen, empfiehlt es sich, die bisher gesetzten Prioritäten genauer zu überprüfen: Wie perfekt muss die Wohnung am Abend wirklich aussehen? Könnte man die Wäschen vielleicht auch noch morgen machen? Investieren wir eine bestimmte Summe in einen Babysitter? Wie viele Ausflüge müssen tatsächlich am Wochenende stattfinden? Denken Sie auch an Ihr Energiemanagement, denn oft fehlt vielen Menschen am Ende des Tages auch einfach die Kraft.

Natürlich können Sie warten, bis der Leidensdruck bei Ihnen beiden groß genug ist, um dieses Thema anzugehen. Meiner Erfahrung nach ist dann häufig sehr viel mehr Arbeit und Zeit (vielleicht auch Geld für eine Paartherapie) nötig, um aus dieser Dynamik wieder aussteigen zu können.