Benjamin Jackson, 33, hat es nicht mehr geschafft. Der australische Bauer wollte noch einmal seine Tante Deb sehen, sie war vor zwei Jahren an Krebs erkrankt und lag nun im Sterben. Dazu hätte er allerdings von Guyra im Bundesstaat New South Wales ins 400 Kilometer entfernte Brisbane im benachbarten Queensland reisen müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit, weil in Australien wegen der Corona-Pandemie nicht nur die Außengrenzen geschlossen sind, sondern seit dem jüngsten Ausbruch der Delta-Variante auch innerhalb des Landes kein Durchkommen mehr ist.

„Ich hoffte nur, Debbie würde aus dem Himmel zuschauen.“

„Ich fühlte mich ein bisschen hilflos, ein bisschen ratlos, wie ich meiner lieben Tante Deb meine Zuneigung und Liebe zeigen konnte“, erzählte Jackson jetzt dem Sidney Morning Harald. Doch wusste er sich zu helfen: Bereits in der Vergangenheit hatte er mit Drohnenaufnahmen von seiner Schafherde experimentiert und dabei Futter so ausgelegt, dass aus großer Höhe bestimmte Formen durch die fressenden Tiere sichtbar werden. Nun legte er das Futter also herzförmig aus – und „nach drei, vier Versuchen“, so Jackson, entstand tatsächlich das gewünschte Herz.

Und es entstand ein sehr anrührendes Video. Denn Jackson unterlegte die Aufnahmen mit „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel, einem der Lieblingssongs seiner Tante, wie er schreibt. Leider konnte sie diese Liebeserklärung nicht mehr sehen und so sorgte Jackson dafür, dass sein Video bei ihrer Beerdigung – der er aus Pandemiegründen ebenfalls nicht beiwohnen konnte – abgespielt wurde. „Ich hoffte nur, Debbie würde vom Himmel aus zuschauen, um es zu sehen.“

„Die Leute können eine kleine Aufmunterung gebrauchen“

Aber dann nahm die Geschichte noch eine weitere Wendung. „Ich dachte, ich mache ein bisschen Schafskunst für meine Tante Deb“, erzählt Jackson. Doch offenbar traf er einen Nerv bei vielen Australiern: Seitdem er das Video am Dienstag auf Instagram postete, wurde es über 13.000 Mal aufgerufen, bei Twitter ging es viral, die Medien wurden aufmerksam. „Die Reaktion im Netz hat gezeigt: Es gibt da draußen eine Menge Leute, die derzeit eine kleine Aufmunterung gebrauchen können.“

Die Zeiten sind hart, weiß Jackson, schließlich könne man sich wegen des Lockdowns nicht einmal mehr im eigenen Land frei bewegen. „In diesen Zeiten ist es ziemlich schwierig, jemanden zu verlieren.“