Berlin - Die Tipps für Liebeskummer taugen inzwischen für Instagram oder Tinder. Sie stammen allerdings aus der Zeit um 1485. Ein Meister Casper illustriert mit seinem Holzschnitt, wie ein verliebtes Herz auf 18 verschiedene Weisen gebrochen werden kann. Die Arbeit „Frau Venus und der Verliebte“ ist Teil der Ausstellung „Holzschnitt. 1400 bis heute“, die das Kupferstichkabinett der Berliner Staatlichen Museen von Freitag an bis zum 11. September präsentiert. Gezeigt werden mehr als 100 Arbeiten unter anderem von Albrecht Dürer, Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Joseph Beuys oder Wassily Kandinsky.

Das Team um Direktorin Dagmar Korbacher hat dafür mit Materialien, Druckplatten und Blättern die Entwicklung der Technik von ihren Anfängen bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Zu sehen ist auch etwa, wie Schädlinge den hölzernen Vorlagen zusetzten und sich die Spuren dann auf den gedruckten Blättern wiederfinden. Andere Beispiele zeigen den Einsatz mehrerer aufeinander abgestimmter Druckplatten für den Mehr- und Vielfarbdruck.

Viele der Arbeiten von Spielkarten bis zu Aushängen waren für den Gebrauch bestimmt. Das macht für Korbacher Vielfalt und Sinnlichkeit dieser Kunsttechnik aus. Dieses älteste druckgrafische Verfahren wird bis heute von Künstlerinnen und Künstlern eingesetzt. Dafür stehen in der Ausstellung etwa Arbeiten und Druckplatten des in Berlin lebenden Künstlers Nasan Tur, dessen „Geben ist Nehmen“ von 2015 gemeinsam mit dem um 1535 entstandenen „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ von Hans Sebald Beham die Ausstellung eröffnet.

Die Holzschnitte bilden den Auftakt zu einer neuen Ausstellungsreihe des Kupferstichkabinetts, mit der jeweils eine künstlerische Drucktechnik vorstellt werden soll.