Sonst schmeißt Lily Allen gern mit Worten wie „Bitch“ um sich, postet Bilder von Pinkelpausen oder macht auf der Bühne vor, wie ein Blowjob geht. Beim Gespräch am Telefon gibt sich die 28-jährige Britin – um es gelinde zu sagen – zugeknöpfter, obwohl mit „Sheezus“ gerade ihr erstes Studioalbum seit fünf Jahren erschienen ist.

Mrs. Allen, wo erwischen wir Sie denn gerade?

Ich bin in unserem Haus außerhalb von London. Ich war gerade auf dem Sprung zum Einkaufen.

Sie sind mittlerweile Hausfrau und zweifache Mutter. Ist es diesmal anders für Sie, Popstar zu sein?

Dass ich jetzt einen Mann und zwei Kinder habe, macht alles etwas wertvoller für mich. Es ist schön, ein paar Leute zu Hause sitzen zu haben, mit denen ich das teilen kann. Es ist auf jeden Fall besser, als nach einer langen Tour oder einem harten Tag mit Interviews nach Hause zu kommen, und da sind dann nur ich und mein Fernseher. So war es früher immer.

Der Song „Our Time“ handelt vom perfekten Wochenende. Wie verbringen Sie Ihres?

Ich bin mit meinen Kindern zusammen, wenn ich frei habe. Ich gehe zum Supermarkt, was ich in der Tat gleich tun werde, und dann kaufe ich alle Zutaten, um mit meiner Tochter einen Kuchen zu backen. Das ist mein Wochenende! Wenn ich hier zu Hause auf dem Land bin, bin ich wirklich zu Hause.

Sie selbst sind also gar nicht mehr als Dancing Queen in den Clubs unterwegs – wie in besagtem Song geschildert?

Nein.

Wie kommt Ihr Ehemann mit dem Popstar Lily Allen zurecht?

Er hat einen geheiratet, also denke ich mal, es ist okay für ihn.

Aber ist es anders, jetzt, wo Sie wieder ein sehr öffentliches Leben führen?

Das müssen Sie ihn fragen! Er hat mir allerdings gesagt, ich soll einen Gang zurückschalten, jetzt wo ich eine Mutter bin.

Sie sind vor Kurzem in einem T-Shirt von Alexander Wang mit dem Aufdruck „Parental Advisory“ bei einer Modenschau aufgekreuzt. So was liest man sonst nur als Warnung auf CDs! Wollen Sie Ihre Kinder etwa vor sich warnen?

Nein. Das war nur ein T-Shirt. Nichts weiter.

Ihr Album haben Sie „Sheezus“ getauft – als Hommage an Kanye Wests „Yeezus“. Hat er sich schon geäußert?

Nicht direkt. Ein Freund von mir saß neben Kanye bei einer Modenschau und fragte ihn, ob er von meinem Albumtitel gehört hätte. Er hat mit Ja geantwortet. Er war nicht verärgert oder sauer oder so.

Ihre Single „Hard Out Here“ war in Deutschland ausgerechnet der Themensong für das Dschungelcamp. Stört Sie das dann?

Nö, damit habe ich nicht wirklich ein Problem. Ich liefere ja nur die Musik.

In dem Song heißt es: „Don’t need to shake my ass for you ’cause I got a brain.“ Ich muss nicht mit dem Hintern wackeln, denn ich habe ein Hirn. Aber erst vor Kurzem sind Sie recht barbusig in der Londoner Royal Albert Hall bei einem Wohltätigkeitskonzert für Kinder aufgetreten. Ist das nicht ein Widerspruch?

Wieso sollte das ein Widerspruch sein?

Na ja, das hat einen ziemlichen Wirbel ausgelöst. Konnten Sie das nachvollziehen?

Ich hätte es eher anstößig gefunden, wenn ich gar nichts angehabt hätte!

So kann man das natürlich auch sehen. Körperlich sind Sie momentan fit. Bedeutet es Ihnen etwas, wenn die Leute heute sagen, Lily Allen sieht gut und sexy aus?

Es ist nett, das zu hören. Aber es ist nichts, was ich ernst nehme. Der Grund, warum ich fit bin, ist die Tour, auf die ich bald gehen werde. Ich war immerhin drei Mal schwanger. Ich muss mich selbst in die körperliche Form bringen, damit ich jeden Abend zwei Stunden Show durchstehe.

Aber die Komplimente haben keine Auswirkung auf Ihr Selbstwertgefühl?

Wie gesagt: Ich höre es gerne. Aber Komplimente sind nie eine Motivation für mich.

Das Gespräch führte Katja Schwemmers.