Nele Pollatschek schrieb „Dear Oxbridge. Liebesbrief an England“. Am Freitag ist es möglich, sie im Salon von Britta Gansebohm in der Z-Bar.
Foto: Nele Pollatschek

Berlin - Über den Brexit haben wir alle viel gelesen. Wir können die Situation nicht mehr ändern. Die Briten verlassen uns, und die Vernunft gebietet, nicht schadenfroh zu sein. Wer weiß, welche negativen Folgen auf das europäische Festland zukommen? Also habe ich das in den britischen Farben gehaltene Cover des Buches „Dear Oxbridge. Liebesbrief an England“ von Nele Pollatschek, erschienen bei Galiani Berlin, zwar freundlich angeschaut, aber doch gedacht: zu spät. 

Als mein Kollege Arno Widmann aber am 1.Februar in seiner Kurzrezension auf der Meinungsseite schrieb, er habe zwar keine Ahnung, ob die Liebe der Autorin erwidert würde, aber „ihre Liebeserklärung wirkt sehr ansteckend“, war ich dann ebenfalls infiziert und schlug das Buch auf. Pollatschek erzählt zunächst von ihrem Studium in Oxford und Cambridge und „ihre Geschichten darüber“, ich zitiere abermals den Kollegen, „sind eine Lust zu lesen“.

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Finde ich auch. Die Geschichten sind auch dann interessant, wenn man sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, warum manche Menschen unbedingt in England studieren wollen. Denn die Autorin schildert zwar den dortigen Wissenschafts- und Unibetrieb, aber sie führt dahin aus dem Alltag mit Mitbewohnern und Freunden, mit Therapeuten und in Pubs, und sie führt dann auch wieder in den Alltag zurück. Sie verbindet Anekdoten mit Menschen und Fakten mit den entsprechenden Quellen.

Verlagshaus Berlin feiert 15. Geburtstag 

Sie schreibt persönlich, aber nicht privat. Zum Beispiel darüber, dass sie sich lange für eine Hochstaplerin hielt. Erst fragte sie sich „ob es eine der Begleiterscheinungen weiblicher Sozialisierung war, dass man den eigenen Erfolg immer für zweitklassig hielt?“ Dann fand sie heraus, dass es an den besten britischen Universitäten unter den Studenten und Dozenten üblich ist, sich noch nach bestandenen Prüfungen überschätzt zu fühlen.

„Mit dem Scheitern kann man umgehen. Man war halt nicht gut genug. Wirklich schockierend ist der Erfolg.“ Nele Pollatschek schreibt wirklich so, dass man ihr begeistert folgt, auch in diesem speziellen Punkt. Der Absatz endet: „Zumal man ja immer noch der gleiche Mensch ist – aber jetzt mit zwei vollkommen widersprüchlichen Identitäten leben muss.“ Bestimmt ist es interessant, der Autorin, 1988 in Berlin geboren, persönlich zu begegnen. Am kommenden Freitag ist es möglich, im Salon von Britta Gansebohm in der Z-Bar.  

Am Tag darauf feiert nicht weit entfernt, bei Ocelot, das Verlagshaus Berlin seinen 15. Geburtstag. Man kann dabei sogar noch ein bisschen in Berlinale-Stimmung bleiben. Denn einer der vier Titel stammt von dem großen italienischen Regisseur Pier Paolo Pasolini „La Rabbia — Der Zorn“. Es ist ein lyrischer Essay, erstmalig ins Deutsche übersetzt. Darin stecken Themen, die Pasolini auch als Filmemacher bewegt haben: Hunger, Ungerechtigkeit und Rassismus in einer Welt, die von kolonialen und postkolonialen Unruhen geprägt ist.

Was Kinder von Autoren wissen wollen 

Das Verlagshaus Berlin ist auf Lyrik spezialisiert. Wenn Lea Schneider, die zu Gast ist, also ihr Buch „Made in China“ nennt, geht es nicht um irgendwelche Produkte, sondern um in sechs chinesischen Metropolen entstandene Gedichte. Jan Kuhlbrodt, der in Karl-Marx-Stadt geboren wurde, nimmt sich mit lyrischen Mitteln der deutsch-deutschen Umwälzungen an. Er behauptet „Die Rückkehr der Tiere“ und hat Wolf und Waschbär als Zeugen.

Caca Savic schließlich führt mit ihrem Debüt ins „Teilchenland“. Noch viel mehr Autoren kommen am Sonntagnachmittag im Literaturhaus zusammen. Namen wie Julia Boehme, Beate Dölling, Lena Hach, Ulrich Hub, Salah Naoura, Nina Petrick und Thilo Reffert lassen Eingeweihte schon erkennen, dass es sich um Kinderbuchautoren handelt. Sie und weitere (insgesamt 30) haben für den Sammelband „Hast du das wirklich erlebt?“ Fragen von Leserinnen und Lesern beantwortet.

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Kinder fragen direkter als Erwachsene, sie wollen zum Beispiel wissen, wie viel man mit dem Schreiben verdient und was mit dem Geld nach dem Tod des Autors wird. Die Gäste werden von Erlebnissen bei Lesungen in Schulen oder Kitas erzählen. Und sie stellen sich dem anwesenden jungen Publikum zum – wie es heißt – Autoren-Speed-Dating mit Saft und Kuchen. Nicht für Erwachsene!