„Meine Auflehnung gegen die Herrschaft der Männer nahm ihren Ausgang vermutlich in der Situation meiner Mutter Panchita“, beginnt Isabel Allende die Rückschau auf ihr Leben. Panchita, gerade von ihrem Ehemann mit drei Kindern sitzengelassen, musste in den 40er-Jahren gedemütigt zurück zu ihren Eltern ziehen. Ohne Berufsausbildung, Geld, Wahlfreiheit. Erst spät erkennt Allende das Schicksal ihrer Mutter, das Glück ihrer eigenen späten Geburt: „Im Unterschied zu mir konnte sie das Leben, das sie sich gewünscht hätte – auf dem Land, umgeben von Tieren, malend und durch die Hügel streifend –, nicht verwirklichen und passte sich stattdessen den Wünschen ihres Mannes an.“

In ihrem neuen Buch „Was wir Frauen wollen“ blickt die chilenisch-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende zurück. Eine emanzipatorische Kampfansage, wie der Titel suggeriert, ist es aber nicht. Vielmehr plaudert Allende unterhaltsam über die frauenrechtlerischen Eckpfeiler ihres fast 80-jährigen Lebens. Das tut sie in so kurzen Episoden – kaum ein Kapitel ist länger als drei Seiten –, dass man denken könnte, sie habe hier ihre überarbeiteten Tagebuchnotizen veröffentlicht. Für das Lesegefühl ist das gut, selbst schwierige Themen wie Schwangerschaftsabbrüche werden entkrampft beschrieben, das Buch wird durch diese kurzen Lebensabrisse aber auch nie richtig detailreich, nie so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Das ist schade, im Leben der Schriftstellerin hat es schließlich nicht an mitreißenden Geschichten gemangelt.

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