Ziemlich früh im Buch, sie kann sich wieder orientieren und klare Sätze bilden, fragt Martine Bijl den Chirurgen, der sie operiert hat, weshalb man eine Hirnblutung bekomme. „Ohne zu zögern antwortete er: ,Zufall.‘“ Die Leserin kennt das Zitat bereits, in dem eine klirrende Kälte steckt, der Verlag hat es hinten auf den Umschlag von „Königin außer Dienst“ gedruckt. Ein Zufall nur ist schuld, dass die Erzählerin nicht mehr arbeiten kann, über Monate ihren geliebten Garten nicht mehr sieht, ihrem Mann gegenüber quengelnd auftritt. Einem Zufall hat sie zu verdanken, dass sich in ihr etwas breitmacht, das ihre Beine verwirrt, über ihre Reaktionen bestimmt, diese Gefühle abklemmt und jene verstärkt. „Als ich eine kahle Stelle am Kopf hatte und die Tür zu meinem Gehirn geöffnet war, ist es hineingekrochen.“

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Schauspieler und Schriftsteller Joachim Meyerhoff sein Buch „Hamster im hinteren Stromgebiet“, in dem er mit viel Selbstironie, aber auch satirischem Spaß an seiner Umgebung von einer Schlaganfall-Rekonvaleszenz schreibt. Ein oft gelobter Bestseller. Martine Bijl ist in den Niederlanden ebenfalls eine bekannte Schauspielerin, jahrelang mit einer Comedy-Sendung im Fernsehen, später einer Kochshow, als in ihrem Hirn ein Aneurysma platzt. Ursache für einen Schlaganfall ist entweder ein Gefäßverschluss (wie bei Meyerhoff) oder eine Blutung im Gehirn (wie bei Bijl). Doch jede Krankheit verläuft anders, es hängt nicht nur von der Geschwindigkeit der Entdeckung ab („Zeit ist Hirn“, wusste Meyerhoff, als es ihm passierte), sondern vor allem davon, wo die betroffenen Areale im Hirn liegen und wie groß sie sind.

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