Die sechs Titel der Shortlist.
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Berliner Zeitung: Herr Prange, was bedeutet der Deutsche Buchpreis, der am Montag verliehen wird, für Sie als Buchhändler?

Christian Prange: Der Deutsche Buchpreis ist neben dem Nobelpreis für uns das wichtigste Ereignis in der zweiten Jahreshälfte. Und wenn der Nobelpreis an einen relativ unbekannten Autor verliehen wird, ist die deutsche Auszeichnung sogar bedeutender für uns. Seit Jahren beobachten wir, dass viele Kunden in unserem Haus sehr an dem Preis interessiert sind, die fragen schon im Sommer nach, wann die Longlist herauskommt, es ist für sie eine wichtige Orientierung.

Deshalb bereiten wir uns auch gut vor. Noch bevor im August die Longlist veröffentlicht wird, bestellen wir die kostenlosen Leseproben-Hefte mit Auszügen aus den Büchern in relativ großer Zahl. Und dann besorgen wir die 20 Ausgewählten, um sie auf einem Extratisch zu präsentieren. Die lesen wir natürlich auch: Im Team finden sich für alle Themen und Erzählweisen Liebhaber, die nicht nur hineinlesen, sondern das ganze Buch kennen wollen. Wir tauschen uns untereinander aus, um gut beraten zu können.

Wenn die Shortlist-Bekanntmachung im September folgt, verschwinden die Bücher der Longlist nicht, aber die sechs nominierten Titel gruppieren wir dann großzügiger in Stapeln. Mein persönlicher Favorit ist noch dabei, Deniz Ohdes Roman „Streulicht“. Wenn der am Ende gewinnen sollte, wäre es wohl der erste Debütroman, der den Deutschen Buchpreis bekommt. Aber ich weiß auch von Kollegen, die damit gerechnet hatten, dass Iris Wolff mit „Die Unschärfe der Welt“ mindestens in die engere Auswahl kommt – das hat sie nicht geschafft. Wir wetten auch ein bisschen im Team, wer den Preis gewinnt. Manche Autoren wie Bov Bjerg und Thomas Hettche, die beide auf der Shortlist stehen, verkaufen wir sowieso gut, weil die Kunden die schon von früheren Büchern kennen.

Unabhängig davon, wer es am Ende wird: Die Wahl macht das Buch zum Bestseller. Bei manchen wie bei Frank Witzel vor fünf Jahren, mit der „Erfindung der Roten Armee Fraktion“, hält das nicht so lange an. Sasa Stansics „Herkunft“ dagegen hat sich ja schon vorher gut verkauft und ist jetzt mit der Taschenbuchausgabe immer noch ein Bestseller. Wir als Buchhändler haben in den vergangenen Jahren gemerkt, dass man da sehr, sehr schnell sein muss. Die Kunden wollen den Buchpreisgewinner kaufen, viele kommen sogar schon am Montagabend. Und weil wir das wissen, haben wir schon zehn Minuten nach Bekanntgabe einen Tisch mit Stapeln des Preisträgerbuchs bestückt. Eine Kollegin oder ein Kollege schaut den Livestream und bestellt parallel die Bücher. Also, der Tag der Verleihung des Deutschen Buchpreises ist für uns ein besonderer. Im Moment sind wir wie in einem Stadium der weihnachtlichen Vorfreude: Welches Geschenk bekommen wir denn?

Aufgezeichnet von Cornelia Geißler.