In dieser Woche treffen sich Vertreter der französischen Tageszeitung Le Figaro und der Staatsbibliothek zu Berlin in der französischen Botschaft. Die Staatsbibliothek wird 33 Bücher an die Redaktion übergeben, die während der Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich beschlagnahmt worden sind. Sie gehören dem Figaro. Auch das ist eine Nachricht vom Krieg, nicht von dem jetzigen, der gegen die Ukraine wütet, sondern vom Zweiten Weltkrieg, dessen Folgen so weit reichen.

Geplündert wurden die Bücher von den Deutschen als Kulturschätze und Wissensspeicher. Heute legt es Russland darauf an, dass so wenig Information über den Krieg gespeichert wird. Das neue Mediengesetz bedeutet nicht mehr nur, dass russische Journalisten sich bedroht sehen, dass Fernsehsender, Hörfunkstationen und Zeitungen geschlossen wurden, auch ausländische Medien ziehen ihre Mitarbeiter ab. Schon kurz nach Beginn des Kriegs informierte die inzwischen letzte widerständige Redaktion, die Nowaja Gaseta, ihre Leser, nur mehr „äsopsche Sprache“ anwenden zu können. Aus „Putin überfällt die Ukraine“ wurde „Putin besucht die Ukraine“.

Sprache ist unser Mittel, uns zu verständigen, weit über die Informationsvermittlung hinaus. Als Fabian Leonard vor anderthalb Jahren in Berlin den Trabanten-Verlag gründete, wollte er Lyrik wieder zurück in den Alltag bringen, aus „sozialer Verantwortung“. Und als er aufrief, die Gefühle und Gedanken während der Zwangspause durch Covid-19 in Worte und Rhythmus zu bringen, bekam er mehr als 1400 Gedichte zur Antwort. Hundert gelangten in das Buch „#lockdownlyrik“.

Nun wurde Leonard erneut aktiv: Auf Instagram hat er einen Kanal eingerichtet, um die Angst und die Wut dieser Tage zu sammeln. Mit einem Herz und einer Faust versehen, schreibt er: „Schickt eure #antikriegslyrik-Gedichte und wir posten sie hier. Für den Frieden!“ Er hat Plakate drucken lassen, gibt Interviews, will Gedichte nach Demonstrationen verlesen lassen. Bis zum 20. März geht die „Sammelphase“, dann beginnt der Druck: Ab Mitte April soll der Erlös vom Verkauf des Buchs, das dann hundert Gedichte von hundert Autorinnen und Autoren enthält, Menschen in der Ukraine helfen. Schon was jetzt auf dem Kanal zu sehen ist, berührt in seiner Vielfalt der Worte für Sorge und Verzweiflung. Hoffnung gibt es kaum, aber einer schreibt: „Diesmal schauen wir hin.“ Jede Form von Öffentlichkeit hilft.