Am Freitag wird sich im Literaturhaus Berlin eine neue Schriftstellervereinigung gründen, der PEN Berlin. Vorausgegangen sind Querelen, die das Ansehen des bisherigen deutschen PEN-Zentrums in der Öffentlichkeit beschädigt haben. Eigentlich sollte nach der Tagung in Gotha ein Neustart versucht werden. Doch darauf wollten einige nicht vertrauen.

Elke Schmitter, Schriftstellerin und Journalistin, die zu den Gründungsmitgliedern des PEN Berlin gehört, berichtet auf Facebook von der Idee, dass ein Konkurrenzunternehmen im besten Falle beiden Institutionen helfe. Das sei sinnvoller, als „unendlich viel Kraft“ aufzuwenden, „um ein erschöpftes, mit sich selbst beschäftigtes, dysfunktionales System zu reformieren“.

Schöner Witz: der PEN Neukölln-Rixdorf

Auf Twitter begrüßen viele Stimmen den neuen Verein, es gibt lustige Bemerkungen zur Namenswahl, man gründe nun einen PEN Kaiserslautern oder den PEN Neukölln-Rixdorf. Und es findet sich Kritik an einzelnen auf der Liste der rund 230 Gründungsmitglieder. Manches bleibt dabei im Vagen, ohne Namen, etwa in der Äußerung von Max Czollek, der schreibt, es befänden sich „Leute unter den Gründungsmitgliedern, bei denen ich nur fragen kann: Sorry, soll das ein Witz sein?“

Der Autor und Übersetzer Robin Detje fragt konkret: „Okay, ihr möchtet jetzt alle mit Svenja Flaßpöhler und Jan Fleischhauer in einem Verband sein, der gegründet wurde, um das verletzte Ego eines Springer-Journalisten zu heilen, ich muss das wohl akzeptieren.“ Jasmina Kuhnke (Quattromilf) bezieht sich in ihrem Tweet auf diesen Springer-Journalisten, auf Deniz Yücel, der die Gothaer Tagung verärgert verlassen hatte. Sie nennt ihn jemand, „der mehrfach durch Antischwarzen Rassismus auffiel“. Wir hätten gern darüber mit ihr gesprochen, doch ihr Verlag teilte mit, dass sie zurzeit nicht für Interviews zur Verfügung stehe.

Der am zweiten Tag der Gothaer PEN-Versammlung zum Interimspräsidenten gewählte Josef Haslinger will an der Idee der Erneuerung festhalten, wie er gegenüber der Berliner Zeitung versichert. Er schrieb uns auf Nachfrage: „Als erstes dachte ich, dass ich damit als Interimspräsident wohl gescheitert bin. Immerhin hatte ich es als meine Hauptagenda gesehen, die sich nun herausbildenden zwei Gruppen zusammenzuführen. Aber die dafür nötige Zeit hat man dem Interimspräsidium nicht gelassen.“

Haslinger hofft auf die bisher Schweigenden

Haslinger möchte nicht „vom Weg der Erneuerung“ für das PEN-Zentrum Deutschland abweichen und nennt als erste Maßnahme die Doppelspitze, auf die er sich mit der Autorin Maxi Obexer verabredet habe. Und das, obwohl in der Versammlung noch gegen ein Führungsduo gestimmt wurde. Er schreibt weiter: „Das ist sinnvoll, weil meine persönlichen Kommunikationsqualitäten beschränkt sind. Mit einem sechsköpfigen Präsidium von vier Frauen und zwei Männern, das sich als gleichberechtigtes Team versteht, da haben wir doch eher vorgelegt, als der Berliner PEN-Avantgarde hinterherzuhinken. Allerdings heißen wir immer noch Präsidium und nicht Board. Vielleicht stellt sich am Ende heraus, dass die Spaltung beiden Gruppen gutgetan hat. Wenn diejenigen, die im alten PEN-Zentrum nicht einmal durch Schweigen aufgefallen sind, im neuen Ambiente im Sinne der PEN-Charta aktiviert werden, ist das nur begrüßenswert.“

Joachim Helfer aus dem „Board“ genannten Führungsgremium des neuen PEN sagt am Telefon, die Mission sei nicht, dem in Darmstadt ansässigen PEN-Zentrum Ärger zu machen, sondern sich abseits des Streits um die wichtigen Themen zu kümmern. Der Einsatz für verfolgte Autoren sei nun einmal der „Kern der PEN-Arbeit“.

Helfer sah sich in Gotha von einer Seite der Versammlung heftigen Vorwürfen ausgesetzt wegen seiner Arbeit als damals noch neuer Schatzmeister. Er hat die Organisation kurz nach Yücels Austritt ebenfalls verlassen. Es habe ihn gestört, dass bisher von Exil-Autoren oft als den „Schützlingen“ gesprochen wurde, das hätte sie klein und unmündig gemacht. „Das sind unsere Kollegen, in ihren Ländern oft berühmte Autorinnen und Autoren, wegen ihrer Arbeit verfolgt.“ Er wünscht sich, dass viele von ihnen Mitglieder werden.