Berlin - Nava Ebrahimi schreibt von einem Familiengeheimnis, das zu lüften an politische und kulturelle Grenzen rührt. „Der Cousin“, den die Ich-Erzählerin in New York trifft, ist wie sie aus dem Iran geflohen und inzwischen als Tänzer erfolgreich. Unaussprechlich für ihn ist, welcher Gewalt er sich als Homosexueller ausgesetzt sah. Doch er kann das tanzen. Und Nava Ebrahimi besitzt die Gabe, mit Worten auch das Wortlose sichtbar zu machen. Sie ist die überzeugende Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2021.

Die 1978 in Teheran geborene und in Köln aufgewachsene Autorin debütierte 2017 mit dem Roman „Sechzehn Wörter“. Sie lebt in Graz, wo Klaus Kastberger, der sie eingeladen hat, Literaturprofessor ist. Am Sonnabend las sie als eine der letzten aus dem 14-köpfigen Teilnehmerfeld des Wettbewerbs. Das war der stärkste der drei Tage, denn auch der mit dem Deutschlandfunk-Preis geehrten Dana Vowinckel und dem mit dem 3sat-Preis gekürten Timon Karl Kaleyta hatte das Lesungs-Los den Sonnabend zugewiesen. Die vierte und fünfte Auszeichnung, den Kelag- und den Publikumspreis, erhielt beide Necati Öziri aus Berlin. Er hat einige Jahre am Gorki-Theater gearbeitet und ist jetzt Dramaturg beim Theatertreffen. Seine Rede an einen Vater ist so sensibel wie politisch, sie wechselt zwischen Anklage und Sorge und öffnet in den Zwischentönen einen gesellschaftlichen Raum.

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