Ein Leben in Geschichten. Das ist etwas anderes als die Geschichte eines Lebens. Helga Schuberts Buch „Vom Aufstehen“ versammelt 29 Texte. Das Ich, das in allen Texten präsent ist, gehört der Autorin selbst, mal als Beobachterin auftretend, mal einer Erinnerung nachhorchend, mal sich, mal andere befragend. Zum Beispiel so: „Was fällt euch ein zu Mecklenburg-Vorpommern heute im Gegensatz zu früher, frage ich unsern Besuch.“ Schubert, 1940 in Berlin geboren, wohnt in einem mecklenburgischen Dorf. Der Gesprächspartner, bei dem sie mutmaßt, er würde über niedrige Wahlbeteiligung, die Landflucht der Hausärzte oder den Weggang der Jugend sprechen, sagt als Erstes, „dass jetzt die Spargelzeit kommt und man den Spargel auch bekommt“. Das Edelgemüse wurde zu DDR-Zeiten in den Westen exportiert.

Sie fragt den Besuch nicht nur so beim Kaffee, ihr Satz zuvor ging noch weiter, „denn ich will einen Text darüber schreiben“. Helga Schubert ist Schriftstellerin, das hatte die Öffentlichkeit allerdings ein paar Jahre vergessen. 2003 hatte sie ihr bis dahin letztes Buch veröffentlicht, „Die Welt da drinnen“, eine literarische Recherche zur von den Nazis verfügten Euthanasie. Im Juni 2020 trat sie beim Online-Wettbewerb der Tage der deutschsprachigen Literatur an und vermochte mit ihrer Geschichte „Vom Aufstehen“ so zu überzeugen, dass sie den Bachmannpreis gewann.

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