Während bei der Fußball-EM Mannschaften vor Publikum um den Sieg kämpfen, ist bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur nur die Jury vor Ort im österreichischen Klagenfurt. 14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren ihre Texte sozusagen in Geisterspielen. Ihre Lesungen wurden vorab aufgezeichnet. „Bei Fußballmannschaften gibt es Ersatzspieler. Wir haben keine Ersatzspieler“, erklärt Organisator Horst Ebner die Entscheidung, beim Bachmannwettbewerb noch nicht zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Nach der Eröffnungsrede des ehemaligen Juryvorsitzenden und Literaturkritikers Hubert Winkels am Mittwochabend werden die Texte an drei darauffolgenden Tagen präsentiert und diskutiert. Es geht um den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis in Erinnerung an die Dichterin Ingeborg Bachmann und einige weitere Auszeichnungen. Am Sonntag findet die Preisverleihung statt. Alles kann man im Netz verfolgen.

Schwimmen hilft beim Denken

Eine der sieben Teilnehmer aus Deutschland hat bereits 2008 in Klagenfurt gelesen, Heike Geißler aus Leipzig. Ihr Text fand Anklang, bekam allerdings keinen Preis. In ihrem Porträt-Video für den diesjährigen Wettbewerb springt sie auf Trampolinen und gräbt sich durch Schaumstoffwürfel. Sportlich zeigt sich auch die 1996 geborene Berlinerin Dana Vowinckel, die erzählt, dass ihr das Schwimmen beim Schreiben hilft. Durch die Schwerelosigkeit und die Bewegung im Wasser könne man zur eigenen Sprache finden. Die anderen deutschen Teilnehmer sind: Timon Karl Kaleyta, mit der Band Susanne Blech auch als Musiker aktiv, Necati Öziri, der als Autor am Nationaltheater Mannheim engagiert ist, und Anna Prizkau, die in ihrem Debütroman „Fast ein neues Leben“ das Leben einer Einwandererfamilie beschrieb. Außerdem die Autorin und Musikwissenschaftlerin Nadine Schneider sowie Leander Steinkopf, dessen Debüt „Stadt der Feen und Wünsche“ 2018 viel Beachtung erfuhr.

Nicht alle bedauern, dass sie dem Stress des Wettlesens vor Ort entgehen. „Das live zu erleben, wäre für mich eine gruselige Vorstellung“, sagte die Hörspielautorin Magda Woitzuck der Nachrichtenagentur APA. Sie gehört zu den Teilnehmern aus Österreich, zusammen mit der Romanautorin Nava Ebrahimi, der Dichterin Katharina Ferner, der Kunststudentin Verena Gotthardt und Fritz Krenn, der bereits 1992 am Wettbewerb teilnahm.

Einige Teilnehmer strahlen in ihren Videos eher Gelassenheit als sportlichen Ehrgeiz aus, besonders Schweizer: Julia Weber flaniert mit ihrer Tochter und ihrer Freundin im Hundekostüm durch Zürich. Und ihrem Landsmann Lukas Maisel ist alles wurst: „Schreiben ist wie Würstel essen. Du solltest niemals mehr abbeißen als du kauen kannst“, sagt er zwischen zwei Bissen.