Als man das Wort „Feminismus“ noch lange nicht kannte, arbeitete Sibylla Schwarz sich schon souverän an den patriarchalen Eliten ihrer Zeit ab. Nachdem die Herren der Schöpfung „den runden Kreis der Welt, / Ganz unter ihre Macht und ihren Dienst gestellt“ haben, lautet die Replik ihres lyrischen Ich in souveräner Gebärde: Frauen „ziehn zum ersten Mal den Männern Kühnheit an, / Die einzig einen Mann zum Manne machen kann“. Die Poetin Sibylla Schwarz wurde vor 400 Jahren geboren und ist jetzt mit zwei imponierenden Bänden zu entdecken.

Stets spricht Souveränität aus ihren Versen. Da ja Jungen ihre Tapferkeit überhaupt erst durch die Erziehung der Mütter erlernen, ist Umdenken geboten. Daher mahnt das Textsubjekt: „Lehr die Männer preisen / Dass ihr den Frauen auch ihre Ehre mögt beweisen / und zulasst ihren Ruhm; ihr Sinn und Verstand / Ist zwar nicht minder klug, doch minder nur bekannt.“ Solcherlei Zuspitzungen in der Zeit des Barock, dessen Rollenvorstellungen noch deutlich vom Mittelalter und vom christlichen Gesellschaftsbild geprägt ist, vorzunehmen, setzt insbesondere als Frau ein großes Selbstbewusstsein, wenn nicht gar Waghalsigkeit voraus.

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