Berlin - Berlin ist eine Verlagsstadt. Von den über 77.000 Büchern, die im vergangenen Jahr deutschlandweit erschienen sind, kommen etwas mehr als zehntausend Titel aus Berlin. Etwa 180 Verlage gibt es hier; drei davon sind am Sonntagvormittag im Deutschen Theater mit dem Berliner Verlagspreis ausgezeichnet worden: Den Hauptpreis, dotiert mit 35.000 Euro, erhielt Secession, die zwei mit jeweils 15.000 dotierten Berliner Verlagspreise gingen an den Verlag Das kulturelle Gedächtnis und das Verlagshaus Jacoby & Stuart. Drei weitere – be.bra, Jaja und mikrotext – erhielten jeweils eine Anerkennung in Höhe von 1000 Euro.

Für die Auszeichnung, die bei der künftigen Programmarbeit hilft, können sich Verlage mit einem Umsatz von bis zu zwei Millionen Euro bewerben, die ihren Firmensitz in Berlin haben. Ausgeschlossen sind Verlage, die sich mehrheitlich im Besitz einer größeren Verlagsgruppe befinden. Und das hat seinen Grund: Berlin hat zwar eine ausgesprochen vielfältige Verlagsszene, die größten Umsätze werden allerdings nicht hier, sondern in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern erzielt.

Auswahl aus mehr als 70 Bewerbern

Mehr als 70 unabhängige Verlage haben sich für den Berliner Verlagspreis 2021 beworben. Der Jury gehörten an: Prof. Andreas Degkwitz (Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin), Cornelia Geißler (Kulturredakteurin der Berliner Zeitung), Britta Jürgs (AvivA Verlag), Kat Menschik (Illustratorin), Nina Wehner (Inhaberin der Buchhandlung Die Buchkönigin) und Olivia Wenzel (Autorin). Die Auszeichnung wird seit 2018 von den Berliner Senatsverwaltungen für Kultur und für Wirtschaft gemeinsam vergeben. 2020 wurden der AvivA Verlag, die Edition Orient und der Querverlag ausgezeichnet.

Bei der Veranstaltung am Sonntagvormittag pries Kultursenator Klaus Lederer den fundamentalen Beitrag der Verlage „zur Vielfalt unserer Gesellschaft, weil sie eben jene in ihren Verlagsprogrammen seit vielen Jahren abbilden“. Mit jedem veröffentlichten Buch würden sie eine auf Diversität beruhende Gesellschaft mitgestalten. In ihrer Laudatio auf den Secession Verlag lobte Cornelia Geißler die Verleger Christian Ruzicska und Joachim von Zepelin für deren „beharrliche Begeisterung für das Buch als Buch, für Dichtung und Erzählung, für den Wert der Geschichte und die Anstiftung zum Denken ohne Grenzen“. Der Verlag pflegt eine „Handliche Bibliothek der Romantik“ und veröffentlicht ausgesuchte deutsche und internationale Gegenwartsliteratur. Hier kam zum Beispiel auch die von Anne Frank bearbeitete Fassung ihres Tagebuchs „Liebe Kitty“ heraus und jüngst der Band „Nach dem Tagebuch“, der den Schicksalen der Familie Frank und der mit ihr im Hinterhaus Untergetauchten nach der Verhaftung am 4. August 1944 folgt.