Was weiß man in Deutschland über die Ukraine? Seit dem 24. Februar ist das Wissen größer geworden, aber es gibt viel Nachholbedarf. Die ukrainische Abteilung des internationalen Schriftstellerverbands PEN hat eine Liste von Büchern veröffentlicht, die einem helfen sollen, dieses Land und seine Bewohner besser zu verstehen, zu erfahren, warum den Ukrainern ihre Freiheit so wichtig ist und warum sie ihre Werte gegen einen so mächtigen Aggressor verteidigen. Folgende dieser Bücher sind auf Deutsch erschienen:

Anne Applebaum: Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine (Siedler-Verlag, München 2019, 544 S., 36 Euro). Der Holodomor, der erzwungene Hungertod von mehr als drei Millionen Ukrainern 1932 und 1933, hat sich tief im kollektiven Bewusstsein der osteuropäischen Völker verankert. Applebaum zeigt Stalins Terrorregime und verleiht den hungernden Ukrainern eine Stimme.

Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin 1933–1945 (Aus dem Englischen von Martin Richter. 2013, jetzt bei dtv 16,90 Euro). Snyders Bloodlands liegen in den baltischen Staaten, Polen, Westrussland, Weißrussland und der Ukraine. Es ist eine Region, die erst durch Stalins Massenvernichtung und dann durch den Holocaust zum „Gewaltraum“ wurde. Der Autor erhielt dafür 2012 den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung.

Timothy Snyder: Black Earth. Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann (Aus dem Englischen von Ulla Höber, Karl-Heinz Siber und Andreas Wirthensohn. C.H. Beck, München 2015, 488 S., 29,95 Euro). Snyder verfolgt auch in diesem Buch die Frage, wie der Holocaust entstehen konnte. Er will zeigen, dass die Nazis die europäischen Juden besonders dort ermordeten, wo es keine staatlichen Strukturen mehr gab.

Stanislaw Aseyew: Heller Weg. Geschichte eines Konzentrationslagers im Donbass 2017–2019. Roman (Aus dem Russischen von Martina Steis und Charis Haska. Ibidem, Stuttgart 2021, 184 S., 16,80 Euro). 2017 wird der ukrainische Journalist Stanislav Aseyev im okkupierten Donezk verhaftet. Er kommt in ein Donezker Foltergefängnis mit der Adresse Heller Weg 3. Seine Mission ist es zu überleben, um berichten zu können, er schreibt auf Pappresten und Papierfetzen.

Askold Melnyczuk: Mindestens tausend Verwandte. Roman (Aus dem amerikanischen Englisch von Martin Amanshauser. Deuticke, Wien 2006, 208 S., 20,50 Euro). Der in den USA geborene Autor erzählt die Geschichte einer ukrainischen Familie über Generationen und Kontinente hinweg. Zenon Zabobon und Natalka heiraten am Tag, an dem der österreichische Thronfolger erschossen wird. Ihre Tochter flieht vor den Nazis und bringt in den USA ihren Sohn zur Welt.

Serhij Zhadan: Internat. Roman (Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr. Suhrkamp, Berlin 2018, 300 S., 22 Euro, im Juli erscheint das Taschenbuch für 12 Euro). Der ukrainische Autor setzt sich in seinem Roman mit dem Krieg im Donbass auseinander. Ein junger Lehrer will seinen Neffen aus der Schule, die unter Beschuss geraten ist und keine Sicherheit mehr bietet, nach Hause holen. Auf dem eigentlich so vertrauten Heimweg geraten die beiden in die Nähe der Kampfhandlungen, ohne mehr sehen zu können als milchigen Nebel, in dem gelbe Feuer blitzen. Die Übersetzer erhielten dafür den Preis der Leipziger Buchpresse.

Serhij Zhadan: Antenne. Gedichte (Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe. Suhrkamp, Berlin 2020, 144 S., 14 Euro). Auch in seinen Gedichten thematisiert Zhadan den Krieg.