Beatrix Kramlovsky, ist Ihre „Frau in den Wellen“ von DDR-Frauen inspiriert?

Von Österreich über die DDR bis nach Kanada führt das Leben von Joni in Beatrix Kramlovskys neuem Roman. Sie erzählt von Unabhängigkeit und Freiheit.

Die Schriftstellerin Beatrix Kramlovsky
Die Schriftstellerin Beatrix KramlovskyLeonhard Hilzensauer

Die Heldin Joni in Beatrix Kramlovskys Roman „Frau in den Wellen“ irritiert ihr Umfeld zuweilen, weil sie über ihr Leben selbst entscheidet. Immerhin ist sie auch Mutter und Ehefrau. Auch Ost-Berlin spielt eine Rolle in dieser Geschichte – wo die österreichische Autorin selbst eine Zeit lang gelebt hat. Die Bücherfrage der Woche geht an Beatrix Kramlovsky: War das Leben von DDR-Frauen eine Blaupause für Jonis Lebensentwurf?

Beatrix Kramlovsky: Joni ist sehr jung, als sie in die DDR kommt. Sie erkennt die Unterschiede in den Geschlechterrollen zwischen Ost und West, aber ihr entgeht nicht, dass Frauen trotzdem nicht dieselben Möglichkeiten wie Männer haben. Das, was die Jahre in der DDR auf jeden Fall auslösen: Joni beginnt, sich für Politik zu interessieren, für globale Verflechtungen. Das wird sie für ihre Zukunft prägen. Außerdem entwickelt sie Selbstbewusstsein und Mut für persönliche Entscheidungen. Ich bin sicher, einen Anteil daran hat das insuläre Leben der privilegierten Ausländer, aber auch die Situation der permanenten Überwachung.

Ich gebe zu, dass Jonis Wahl, ein engagiertes politisches Leben zu führen, etwas mit dem System der DDR zu tun hat. Sie wird sich einer Mehrheitsmeinung nicht anpassen, wenn ihre Grundsätze dadurch gefährdet werden. Sie wird Freiheit in jeder Hinsicht immer hoch schätzen. Sie wird Opfer in Kauf nehmen. Ich habe Frauen in der DDR kennengelernt, die das versucht haben, und bewundere sie immer noch dafür. Ich kann die Frage also nur eingeschränkt bejahen: Wegen solcher Frauen (und Männer) wird Joni in ihrem Weg bestärkt worden sein.

Ich selbst bin im Frühling 1987 mit meiner kleinen Familie in die DDR übergesiedelt, da mein Mann als Repräsentant für einen westlichen Konzern arbeitete. Mein Wissen über die DDR war wie bei den meisten Österreichern zu diesem Zeitpunkt überschaubar, allerdings hatte ich seit 15 Jahren einen gleichaltrigen Brieffreund in Sachsen und wusste daher ziemlich viel über ein junges, nicht ganz angepasstes Grüppchen. Ich hatte Empfehlungsschreiben des österreichischen Schriftstellerverbandes an den Schriftstellerverband der DDR mit; das hat natürlich nichts gebracht. Meine persönlichen Kontakte habe ich ohne offizielle Hilfe gefunden. Das waren großartige, kunstaffine Menschen, und unsere Freundschaft hält bis heute. Wir blieben bis zum Frühjahr 1991, ich habe also in Gegensatz zu meiner Heldin Joni die Wende miterlebt.

Beatrix Kramlovsky: Frau in den Wellen. Roman, Hanserblau, Berlin 2022. 320 Seiten, 25 Euro

Lesung Freitag, 28. Oktober, 19 Uhr, Gemeindesaal Hoppegarten, Lindenallee 14