Katja Lewina, wie war das, alle Ex-Freunde aufzusuchen?

„Ex“ heißt das neue Buch der Autorin, die mit den beiden Vorgängern „Sie hat Bock“ und „Bock. Männer und Sex“ für Furore sorgte.

Die Autorin Katja Lewina. Ihr neuestes Buch „Ex“ ist gerade erschienen.
Die Autorin Katja Lewina. Ihr neuestes Buch „Ex“ ist gerade erschienen.Manuela Clemens

So viele Bücher gibt es über die eine große Liebe, viele auch über deren Ende. Katja Lewina aber will wissen, warum Beziehungen nicht halten, auch wenn sie groß begonnen haben. Die Autorin, bekannt geworden mit dem Buch „Sie hat Bock“ über Frauen und Sex, forscht im eigenen Leben nach und sucht frühere Partner auf. „Ex“ heißt ihr neues Buch lapidar. Die Bücherfrage der Woche geht an Katja Lewina: War die Wiederbegegnung mit den Ex-Freunden eher schmerzhaft oder freudvoll?

Katja Lewina: Wenn Menschen sich trennen, kommt schnell der Rat, man solle einen kompletten Cut machen. Nur so könne man die Verletzungen überwinden und im neuen Leben ankommen. Man erwartet von Getrennten, dass sie alles mit sich allein ausmachen. Insofern breche ich eine Art Tabu, wenn ich sage, lasst uns die Geschichte doch gemeinsam aufarbeiten.

Wie der Schmerz sich verwandelt

Das war gar nicht so einfach. Der erste Mann, den ich anrief, hatte noch nach Jahren ziemlich viel Groll gegen mich. Am Telefon lud er ab, was er mir nachträgt, wie sehr ich ihn verletzt habe. Und obwohl wir versöhnlich endeten, erinnere ich mich an mein Gefühl danach: Das noch weitere neun Mal durchziehen? Auf keinen Fall! Ich habe dann aber doch weitergemacht – zum Glück. Denn in fast jedem Fall verwandelte sich dieser Schmerz in etwas Schönes, Freudvolles, Friedliches und Zärtliches. Sogar dieser erste Mann, der mich nicht treffen wollte, hat sich später dafür bedankt, dass wir so viel Ungesagtes zwischen uns auflösen konnten.

Heute weiß ich, wie ich eine gute Beziehung führen kann. Bei diesen Gesprächen habe ich viel über mich selbst gelernt. Die Begegnungen und das Schreiben darüber haben mir Muster verdeutlicht, in denen ich funktioniert habe, die zum Teil sehr destruktiv waren. Die meisten von uns haben solche Muster, auch wenn sie sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Wenn man sich dem Blick des anderen stellt und erfährt, welche Beobachtungen er oder sie gemacht hat, ist das ein starkes Korrektiv. Man sieht sich selbst von einer anderen Warte. Macht man jedoch alles nur mit sich alleine aus, bleibt man bei der eigenen Interpretation. Und das wäre doch wirklich schade.

Katja Lewina: Ex. Dumont, Köln 2022. 204 Seiten, 22 Euro.
Buchpremiere Mittwoch, 19.10., 20 Uhr, Pfefferberg