Berlin - In Potsdam findet jetzt ein Festival statt, bei dem das Publikum Schriftsteller nicht per Bildschirm erleben muss, sondern ihnen wie im echten Leben begegnen kann. Mit dabei ist auch Melanie Raabe, die über Kreativität sprechen und Spannung verbreiten wird – am selben Tag. Die Bücherfrage der Woche geht an Marianne Ludes aus dem Vorstand des Vereins lit:pots, die selbst Autorin ist und Raabes Weg schon länger begleitet: Wie kommt es, dass dieselbe Schriftstellerin an einem Tag mit Büchern aus zwei verschiedenen Gattungen zu Gast ist?

Marianne Ludes: Das liegt an den besonderen Fähigkeiten dieser faszinierenden Autorin. Wir haben bei Lit:potsdam schon immer einen Spannungsabend und auch Veranstaltungen zu Sachbüchern. Melanie Raabe steht für beides. Als Vertreterin der jüngeren Generation ist für sie Multitasking selbstverständlich. Sie hat als Journalistin angefangen, 2015 erschien ihr erster Kriminalroman „Die Falle“ und wurde gleich ein Bestseller. Ich hatte ihn mir damals für eine Reise gekauft und war sofort von dieser Autorin überzeugt. Sie knüpft an eine große Tradition an: Suspense. Das sind intelligente Krimis, die kein Blut brauchen und keinen Shocking-Effekt anstreben, die mit unterschwelligen Ängsten des Lesers spielen und dadurch die große Spannung erzielen. Dabei denke ich an große Vorbilder, an Patricia Highsmith oder im Film an Hitchcock. Melanie Raabe wird aus ihrem neuen Kriminalroman „Die Wälder“ am Dienstag ab 20 Uhr im Schirrhof an der Schiffbauergasse lesen. Die andere Seite dieser Autorin lernen Sie kennen, wenn Sie sich mal den Podcast anhören, den sie mit Laura Kampf macht. Die beiden ermuntern Frauen, althergebrachte Grenzen zu überwinden. Daraus ist Raabes erstes Sachbuch entstanden, über „Kreativität“, das stellt sie am Dienstag ab 18 Uhr im Hof der Kleistschule vor.

Ab Freitag sind 500 Zuschauer erlaubt

Und nicht nur diese Lesungen sind draußen, wir haben das ganze Festival open air geplant. Lit:potsdam findet ja zum neunten Mal statt, doch dieses Jahr hatten wir große Sorgen, ob es überhaupt klappt. Jetzt können wir ein bisschen stolz darauf sein, dass wir nicht mutlos geworden sind. Angesichts der guten Entwicklung der Inzidenzen können wir ab 4. Juni noch mehr Publikum zulassen, als bisher geplant. Verkauft haben wir ursprünglich nur 100 Tickets pro Veranstaltung, die waren bei Stars wie Ingrid Noll und Helga Schubert oder Bernhard Schlink und Lutz Seiler oder bei der Festveranstaltung mit Eva Menasse sehr schnell weg. Jetzt sind im Freien 500 Personen an einem Ort erlaubt. Nun hoffen wir nur noch, dass uns der Wettergott wohlgesinnt ist und uns mit Regen verschont.

Festival Lit:potsdam 1. bis 6. Juni, Programm und Karten unter www.litpotsdam.de