Es gibt solche „Unerwartete Nachrichten“ und solche: erfreuliche und weniger erfreuliche. Der Titel des Buches von Julio Cortázar, das am Mittwoch im Instituto Cervantes vorgestellt wird, dürfte doppeldeutig sein, denn dass es noch etwas Neues von dem 1984 verstorbenen argentinisch-französischen Schriftsteller gibt, war vermutlich nur für Eingeweihte zu erwarten. Eine solche ist die Literaturwissenschaftlerin Michi Strausfeld, Herausgeberin des Bandes im Berenberg-Verlag. Die Bücherfrage der Woche geht an sie: Mit welchen unerwarteten Nachrichten konfrontieren Sie uns?

Michi Strausfeld: Julio Cortázar ist einer der größten Autoren Lateinamerikas aus dem 20. Jahrhunderts. Wie bei anderen verstorbenen Autoren geriet sein Name in Deutschland etwas in Vergessenheit, was in diesem Fall besonders ungerecht ist. Denn er war der Argentinier, das sagte Gabriel García Márquez bei seinem frühen Tod, der es fertigbrachte, dass alle ihn liebten.

Er wird oft  dem fantastischen Erzählen zugeordnet. Für ihn ereignet sich das Fantastische aber nicht nachts um zwölf mit der Geisterstunde, sondern tagsüber. Und so sind viele seiner Texte zeitlos. Ob er den Monolog des Spaziergängers führt, das Lob der Zweisprachigkeit anstimmt oder von einem speziellen Manuskriptfund erzählt, scheint er seiner Zeit voraus zu sein.

Wie Julio Cortázar sich selbst interviewte

Man denke an seine Fabelwesen, die Cronopien, diese poetischen Nonkonformisten, die die Zahnpastatube nicht von unten nach oben drücken, die nicht auf liniertem Papier schreiben. Die „Geschichten der Cronopien“ sind eine Art Bibel für alle Cortázar-Fans. In den „Unerwarteten Nachrichten“, gibt es drei Texte, die aus irgendeinem Grund nicht aufgenommen wurden, man fand sie jetzt im Nachlass.

Ein anderes Buch heißt „Ein gewisser Lukas“. Auch hier sind es kurze Texte, Alltagsbeobachtungen, die alle etwas Besonderes haben. Im vorliegenden Band gibt es Unveröffentlichtes von Lukas. Und vieles mehr: Erzählungen, Skizzen, ein urkomisches Selbst-Interview, das er mit zwei anderen Wesen führt, die er selber erfunden hat, nämlich Calac und Polanco, die argentinischen Tartaren. Hinzu kommen noch ein paar quasi autobiografische Texte, die viel über den Menschen aussagen.

Der ganze Band enthält also viele schöne Überraschungen für die Tausenden von Cortázar-Lesern, für sie alle ist er ein Geschenk. Und ich bin mir sicher, dass diese „Unerwarteten Nachrichten“ ein wunderbarer Einstieg für Menschen sind, die den Autor noch nicht kennen. Wer Cortázar nicht liest, ist verloren, hat Pablo Neruda gesagt. Das sei wie eine schwere, schleichende Krankheit, als hätte man noch nie einen Pfirsich gegessen. Das kann ich nur unterstreichen.

Buchpremiere 25.5., 19 Uhr, Instituto Cervantes, Rosenstr. 18, Eintritt frei