Romy Weber von Bötzowbuch: Was macht eine Kiezbuchhandlung aus?

Prenzlauer Berg ist neben Kreuzberg der Bezirk mit den meisten Buchhandlungen in Berlin. Wir fragen bei Bötzowbuch nach Tipps.

Romy Weber in ihrer Buchhandlung.
Romy Weber in ihrer Buchhandlung.Privat

Eine der Berliner Preisträgerinnen des Deutschen Buchhandlungspreises ist die Buchhandlung Bötzowbuch, die heißt wie ihr Viertel. In der Bücherfrage bitten wir die Inhaberin Romy Weber um Lesetipps und wollen wissen: Wie schafft man es, in Prenzlauer Berg, wo es so viele Buchläden gibt, als hervorragende Buchhandlung ausgezeichnet zu werden?

Romy Weber: Na, bestimmt durch unsere hervorragenden Kunden! Am 1. November 2007 haben wir hier eröffnet – seitdem sind 15 wirklich schöne Jahre vergangen. Wir sind hier im Viertel fest etabliert, wir kennen die alteingesessenen Nachbarn genauso wie die jungen Familien. Ich habe gerade eine Schülerpraktikantin, die ist 16 Jahre alt, sie war hier schon als kleines Kind. Wir hatten über 100 Lesungen, vor allem mit Berliner Autoren, einige wohnen um die Ecke: Alexander Osang, Maxim Leo, Knut Elstermann – das sind alles Freunde unserer Buchhandlung.

Ein Autor, der nicht hier wohnt, sondern in Nordengland, hat eines unserer Lieblingsbücher geschrieben: Benjamin Myers. „Offene See“ ist ein ruhiges Buch mit einer starken Atmosphäre, der Roman eignet sich für jedes Alter, sagen wir ab 15, 16 Jahren. Es geht um einen 16-Jährigen, der in England kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wie die anderen Männer seiner Familie Bergarbeiter werden will. Er fürchtet die Enge, hat Sehnsucht nach dem Meer und landet dann an der Küste im Cottage einer alten Dame, der er im Garten hilft. In Gesprächen unterstützt sie ihn, seinen Weg als Künstler zu finden. Das ist kein klassischer Coming-of-Age-Roman, er geht viel mehr in die Tiefe, ist sehr sensibel.

Und dann möchte ich empfehlen, was ich gerade auf der Frankfurter Buchmesse entdeckt habe: „Die Tochter des Kommunisten“ von der jungen spanischen Autorin Aroa Moreno Durán. Das fiel mir einfach durch sein Cover auf, weil ich darauf Berlin erkannt habe, den Prenzlauer Berg. Es geht um eine junge Frau, Katia, die in den 50er-Jahren mit ihrer Familie nach Ost-Berlin kommt. Der Vater ist vor dem Franco-Regime geflohen und sieht in der DDR seine Träume verwirklich. Katia aber begeht ihrerseits Republikflucht, sie folgt einem Mann nach Baden-Württemberg, wo sie nicht glücklich wird. Die Trennung von der Familie beunruhigt sie, in der Provinz fühlt sie sich isoliert. Das hat mich sehr berührt, auch weil das Thema Emigration heute so aktuell ist. Es ist ein besonderes Debüt.

Bötzowbuch, Bötzowstraße 27