Was der Verlag C. H. Beck aus München von Rainald Grebe gelernt hat

Mehrere große westdeutsche Verlage gestalten auch von Berlin aus ein Programm. Nun kommt C. H. Beck. Die Bücherfrage geht an den Chef des Berliner Büros. 

Sebastian Ullrich leitet das Berliner Büro des Verlags C. H. Beck.
Sebastian Ullrich leitet das Berliner Büro des Verlags C. H. Beck.Christoph Mukherjee

Der eigentlich in München ansässige Verlag für Sachbücher und Literatur C. H. Beck hat ein Büro in Berlin-Mitte eröffnet. Das macht neugierig, weil es bereits von anderen großen Verlagen Ableger in der Stadt mit eigenem Programm gibt – Rowohlt Berlin und Hanser Berlin. Die Bücherfrage der Woche geht an Sebastian Ullrich, den Leiter der Berliner C.-H.-Beck-Dependance: Was zieht Sie in die Stadt?

Sebastian Ullrich: In seinem wundervoll fiesen Lied „Brandenburg“ singt Rainald Grebe: „Halleluja Berlin, alle wollen dahin, deshalb will ich das auch.“ Wenn eine Branche sich verstärkt in einer Stadt ansiedelt, entwickelt das schon einen gewissen Sog. Es sind ja nicht nur Rowohlt und Hanser. Suhrkamp ist komplett nach Berlin umgezogen. Klett Cotta, Herder und auch S. Fischer unterhalten Außenstellen in der Hauptstadt. Bei einigen, die ursprünglich nur „einen Koffer in Berlin“ haben wollten, ist das Spielbein inzwischen zu einem echten Standbein geworden. Als „Beck Berlin“ ist unser neues Büro allerdings nicht gemeint. Wir machen Bücher aus der Hauptstadt, aber für das allgemeine Verlagsprogramm, nicht für ein eigenes Imprint.

Deutschland hat aufgrund seiner föderalen Tradition ein regional vielseitiges Kulturleben. Aber wenn es so etwas wie eine deutsche Kulturhauptstadt überhaupt geben kann, dann ist es Berlin. Politik, Kultur und Wissenschaft treffen in der Stadt in besonderer Intensität aufeinander. Wer aus der deutschen Geisteswelt hier nicht wohnt, der kommt doch immer mal wieder her – zu Lesungen, Konferenzen oder Hintergrundgesprächen. Und nirgendwo anders in Deutschland lassen sich so viele Stars des internationalen Kulturbetriebs treffen.

Verlage leben mit und von ihren Autorinnen und Autoren. Und sie sind auf einen Resonanzraum angewiesen, auf die Teilnahme am intellektuellen Gespräch ihrer Zeit, um die Themen und Talente zu erspüren, die unsere Gegenwart prägen oder zumindest das Potenzial dafür haben. Vieles lässt sich heutzutage auch digital erledigen. Aber die Geisteswelt braucht die persönliche Begegnung, damit neue Ideen und Projekte entstehen, das haben die Entbehrungen der Corona-Zeit sehr deutlich werden lassen. Und in dieser Hinsicht ist Berlin einfach ein zu attraktives Biotop. Es lohnt sich hier mehr als anderswo seine Netze auszuwerfen. Oder, um es noch einmal mit Rainald Grebe zu sagen: „In Berlin kann man so viel erleben, in Brandenburg soll es wieder Wölfe geben.“