„Weil es notwendig ist“: Esther Dischereit kommt in die Inselgalerie

Ihr Buch „Mama, darf ich das Deutschlandlied singen“ wird im Mittelpunkt von Lesung und Gespräch stehen. 

Esther Dischereit
Esther DischereitMandelbaum Verlag

Die Inselgalerie am Berliner Bersarinplatz hat nicht nur am vergangenen Freitag eine neue Ausstellung mit den Werken dreier Künstlerinnen eröffnet, sie startet am kommenden Donnerstag auch eine neue Lesereihe. „Da es notwendig ist“ heißt sie, erster Gast ist Esther Dischereit. Wir fragen Kathrin Schrader, die das Programm kuratiert: Was ist denn notwendig?

Kathrin Schrader: Da könnte ich ganz einfach mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte antworten, die vor 75 Jahren verabschiedet wurde. Dieses Jubiläum ist nämlich der Anlass unserer Reihe. Die Formulierung für den Titel findet sich schon in der Präambel, zum Beispiel so: „Da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen“, es folgen weitere Gründe und es heißt dann: „verkündet die UN-Generalversammlung diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Ein sehr guter Text, ich kann jedem empfehlen, ihn wirklich zu lesen. Am Donnerstag gibt es bei uns Exemplare zum Mitnehmen. Sie liegen auf dem Büchertisch, wo es natürlich auch Bücher unseres Gastes gibt.

Ein Wir denken

Esther Dischereits Arbeit verfolge ich schon sehr lange. Ich kenne kaum eine deutschsprachige Autorin, die sich so überzeugend und zugleich so vielfältig mit jüdischen Themen beschäftigt: in Geschichten und Essays, in Gedichten und Theaterstücken. Sie greift die aktuellen Fragen auf. In vielen Texten erörtert sie, was jüdische Identität ausmacht, wie sie sich als Jüdin innerhalb der deutschen oder österreichischen Gesellschaft erlebt. Und nicht zuletzt behandelt sie, wie diese Identität angegriffen wird, welchem Hass Juden bis heute ausgesetzt sind. In ihrem letzten Buch hat sie Überlebende des Attentats an der Synagoge von Halle 2019 ausführlich zu Wort kommen lassen.

Esther Dischereit kommt am Vorabend des Holocaust-Gedenktages in die Galerie, wir werden also über das Erinnern sprechen, genauso wie über Identität und wie es möglich sein könnte, heute ein Wir zu denken, das alle einschließt, die bisher noch als andere gedacht werden, als die „jüdischen Mitbürger“ beispielsweise. Esther Dischereit bringt ihr Buch „Mama, darf ich das Deutschlandlied singen“ mit, es enthält unterschiedlich lange Texte, die viele Denkanstöße geben. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich.

Lesung mit Esther Dischereit, Do., 26.1., 19 Uhr, Inselgalerie, Petersburger Str. 76A, Anmeldung: lesung@inselgalerie-berlin.de