Clemens J. Setz ist ein so merkwürdiger Schriftsteller, dass sich die Frage, ob man mit 38 Jahren notwendigerweise bereits den Georg-Büchner-Preis erhalten muss, in seinem Fall nicht stellt. Hans-Magnus Enzensberger war 34. Georg Büchner starb mit 23. Man vergisst immer, wie jung die Alten und die Toten früher waren, ein dummer Irrtum, der Clemens J. Setz gewiss nicht unterlaufen würde. „Wie alle Menschen“, heißt es über einen ängstlichen Mann in dem Erzählungsband „Der Trost runder Dinge“ (2019), „begegnete Zweigl jedes Jahr seinem zukünftigen Todesdatum, ohne es zu wissen. Er glitt darüber hinweg wie der klappernde Haken über die Felder eines Glücksrads.“

Setz mag für sein hohes und ausgiebig ausgeführtes, gelegentlich zelebriertes, gelegentlich auch penetrantes Sprachbewusstsein berühmt sein, aber er hat dazu noch eine gute Übersicht über menschliche Dinge, eine geheimnisvoll günstige (für uns, vielleicht nicht für ihn selbst) Position, von der aus er direkt hinein in die Abgründe des Lebens schaut. Auch darum ist sein dickster Roman, ein echter Schmöker, das Opus magnum eines Anfangdreißigers, ein solches Wunderwerk, dem man mit Begriffen wie „postmodern“ und „popkulturell“ beizukommen versuchte, aber vergeblich.

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