Berlin - Die Autorin des Buches „Schwäne in Weiß und Gold“, das dieser Tage im Aufbau-Verlag erscheint, trägt einen berühmten Namen: Christine von Brühl. Nach einem ihrer Vorfahren sind die Brühl’schen Terrassen benannt, die das Gesicht Dresdens mit prägen. Heinrich Graf von Brühl war Page am Hofe August des Starken, bevor er Kammerdiener und schließlich Staatsminister wurde. Das Buch erzählt 300 Jahre Familiengeschichte auf höchst ungewöhnliche Weise. Unsere Frage der Woche lautet: Christine von Brühl, was haben Schwäne mit Ihrer Geschichte zu tun?

Christine von Brühl: Schwäne schmücken das sagenumwobene Brühl’sche Familienservice mit mehr als 2000 Teilen, das im Haus meines Vorfahren Heinrich Graf von Brühl einst die Tafel zierte und auf Möbeln platziert war. Er wollte damit auf die gerade entstehende Industrie in Sachsen verweisen, die Kunst der Porzellanherstellung, die in Meißen ihren Ursprung hat. Bedeutende Meister ihres Fachs, Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein, hatten es gestaltet.

Nachdem die von Brühls vom sächsischen Hof vertrieben wurden, ließ sich ein Teil der Familie in Pförten in der Niederlausitz nieder. Der Ort heißt heute Brody und gehört zu Polen. Dorthin kam auch das Porzellan, als unveräußerlicher Familienbesitz. Über zweihundert Jahre blieb es vollständig erhalten, kam bei Festen, Hochzeiten, runden Geburtstagen feierlich zur Anwendung. Deshalb kann ich anhand dessen die Geschichte der Brühls erzählen. Erst mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und seinen Folgen zerstob die Sammlung.

Sie können sich gar nicht vorstellen, welche Freude es bei meinem Vater und meinem Onkel ausgelöst hat, als kurz nach der Wiedervereinigung Ulrich Pietsch, der Direktor der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sich meldete und sagte, einige Stücke seien in der Sammlung erhalten. Die Familie war traumatisiert von Flucht und Heimatverlust, hatte völlig neu angefangen, da war dies ein so hoffnungsvolles Zeichen. Natürlich wollte sie das Porzellan nicht zurück, sondern hat einen Leihvertrag aufgesetzt, den sie seitdem immer wieder verlängert hat.

Als ich 1991 meine Ausbildung als Journalistin bei der Sächsischen Zeitung begann, war ich beeindruckt, in Dresden auf viele Menschen zu treffen, die sich mit der Geschichte meiner Familie besser auskannten als ich. Und nachdem ich schon über Fontanes Frauen und die Frauen der Hohenzollern geschrieben hatte, war nun endlich Zeit für dieses Buch.

Christine von Brühl: Schwäne in Weiß und Gold. Geschichte einer Familie. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 320 Seiten, 24 Euro.