Berlin - „Lets talk about class“ heißt es seit einiger Zeit im Kunsthaus Acud und im Netz. Die Schriftstellerin Daniela Dröscher und ihr Kollege Michael Ebmeyer bringen Autorinnen und Autoren zusammen, deren Bücher nah an den Lebensbedingungen der Gegenwart sind. Diesmal sind Marlen Hobrack, Jacinta Nandi und Anke Stelling zu Gast. Unsere Bücherfrage der Woche geht an Daniela Dröscher: Warum reden Sie mit diesen Autorinnen über das Thema „Hausfrau und Mutter?

Daniela Dröscher: Klingt nach 50er-Jahren, oder? Und ja, der Duden definiert die „Hausfrau“ bis heute als weibliche Person, die bewusst keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Doch die wenigsten Menschen können es sich leisten, auf Erwerbsarbeit zu verzichten, die unentlohnte private Sorgearbeit kommt noch hinzu. Die Literatur kann diese Arbeit, die offiziell keine ist, sichtbar machen. Lange Zeit gab es kaum Romane, in denen ein solcher Arbeitsalltag im Mittelpunkt gestanden hätte. Das ändert sich gerade. Marlen Hobrack, Jacinta Nandi und Anke Stelling gehören zu einer Reihe von Autorinnen, die dieses gesellschaftliche Schlachtfeld in ihren Texten ausleuchten: mit allen Widersprüchen, allen Gefühlen von Wut, Ohnmacht, aber auch mit unerschrockenem Humor.

Hausarbeit und Sorgearbeit tauchen in keinem Bruttoinlandsprodukt auf. Die Wirtschaft funktioniert aber nur, weil ständig jemand unentgeltlich putzt, kocht und Kinder großzieht. Diese unsichtbare und unbezahlte Arbeit ist das Fundament der Klassengesellschaft.

Das Tolle an der Literatur ist ja aus Sicht der Soziologie, dass sie zugleich diese gesellschaftliche Struktur als auch Einzelschicksale beschreiben kann. Etwa, indem sie die gigantische Care-Kette, die in einer Gesellschaft alle miteinander verbindet (oder aneinander kettet, je nachdem …), anhand einer einzigen Familie erzählt: „Familienromane sind auch Arbeiter:literatur, wie Anke Stelling es so schön formuliert. Nicht einmal innerhalb einer Familie agieren alle Mitglieder unter denselben Produktionsbedingungen. Und früher oder später tangiert die Care-Kette ja jeden. Auch Patriarchen benötigen irgendwann familiäre, private oder staatliche Pflege, also nicht selten die Fürsorge von migrantisierten Frauen, die zu Mindestlöhnen schuften und wiederum selbst nicht selten in Altersarmut enden.

Ähnlich wie die Hausfrau & Mutter sitzen Care-Arbeiter:innen in der Falle, weil das klassische Mittel des Klassenkampfs – der Streik – zu Lasten derer geht, die von ihrer Fürsorge abhängen.

Wir wollen an dem Abend die Köpfe zusammenstecken und uns fragen: Wie sähe sie aus, eine feministische Ökonomie, die nicht auf Ausbeutung, sondern auf Fürsorge basiert?

Let’s talk about class am 15.4., 20 Uhr im Livestream auf acudmachtneu.de