Beriln - Was kann Literatur, in der gegenwärtigen, sicher nicht der besten aller möglichen Welten, dem Hass entgegensetzen? Dem Antisemitismus, der Gewalt, die immer da waren, und doch gerade im Netz zu neuen Dimensionen anschwellen?

Auf einem Blog gehen Max Czollek, Esther Dischereit, Sasha M. Salzmann und Levi Israel Ufferfilge solchen Fragen nach. „Dem Hass kein Echo“, so heißt das Projekt, vom Literaturfestival lit.Cologne unterstützt, das in einem analogen Gespräch am dritten Juni gipfeln soll. In Aufsätzen, Beobachtungen und Briefen, erkunden die Autorinnen und Autoren in lyrischer Ernsthaftigkeit ihre gesellschaftlichen Positionen und die Möglichkeiten der Veränderung durch Kunst. Und fragen, was es bedeutet, solche Versuche als Personen jüdischer Identität zu unternehmen.

Unversöhnlich und kämpferisch

Wie im Briefwechsel zwischen Max Czollek und Sasha Salzmann. „Nein, Literatur beklagt sich nicht. Literatur ist wie dieser Jude im jüdischsten Metawitz aller Metawitze, der sich einen Joke erzählen lässt und, anstatt zu lachen, sagt: den kenne ich schon, und einen besseren erzählt“, schreibt Czollek. Er wisse bereits, wie „die ganze Sache enden“ würde, und meint das Erstarken der Rechten, Momente wie im Herbst 2017, als die AfD in den Bundestag gewählt wurde. Es habe ihn damals nicht überrascht – doch an die von den Vorfahren übermittelten Wunden erinnert: Was es bedeuten kann, in Deutschland jüdisch zu sein.

Salzmann fragt in dieser Korrespondenz, wie es aus einer marginalisierten Position möglich sei, sich nicht ständig über die erlebte Gewalt identifizieren und an ihr abarbeiten zu müssen: „Kann man selber bestimmen, was einen umtreibt?“ Beide beschreiben die bittere, wiederkehrende Erfahrung, als jüdischer Mensch zur Beruhigung der kollektiven Schuld des deutschen Gewissens herhalten zu müssen.

Suchend und wissend zugleich nehmen es alle vier Autoren erzählerisch mit jenen Lasten auf. So antwortet Czollek auf Salzmann: „Die Frage nach der versöhnlichen Kunst ist Teil eines Begehrens der Täter*innen, die sich zu jeder Zeit wünschen, dass ihre Taten folgenlos bleiben. Und das können wir nicht zulassen.“ Literatur kann nämlich durchaus: kämpfen.