Sehr schön ist Marion Poschmanns Beobachtung, dass man die Herbstfärbung des Laubes in Kanada, den USA oder Ostasien als Naturerlebnis feiert, während hierzulande vor allem interessiert, wer das matschige Zeug am Ende vom Bürgersteig entfernt. Sie hat auch herausgefunden, dass die europäischen Laubbäume, die sich tendenziell gelbgold färben, nicht ganz so klimakrisenresistent sind wie die außereuropäischen, die herbstlich ins Rotgoldene explodieren, und deswegen allmählich durch jene ersetzt werden. „Spree-Eichen“ hat man die im Berliner Regierungsviertel gepflanzten nordamerikanischen Sumpfeichen genannt, damit die botanische Aneignung nicht so auffällt.

Für ihren Essay „Laubwerk“ wurde der 51-jährigen Marion Poschmann kürzlich der diesjährige „Wortmeldungen“-Preis zugesprochen, die Verleihung soll am 27. Juni sein. Es ist ein mit 35.000 Euro erfreulich hoch dotierter Preis für Kurzprosa, die sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt. Ausgelobt wurde er in diesem Jahr zum vierten Mal von der Crespo-Foundation, eine Stiftung für Kunst und Bildung, die von der Fotografin und Psychotherapeutin Ulrike Crespo (1950-2019) gegründet wurde. 

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