Den ganzen ersten Lockdown über haben wir gestritten. Er hat sich um den Garten unserer Erdgeschosswohnung im Tel Aviver Osten gekümmert. Hat umgegraben, gepflanzt, hat mit Erde bedeckt und gewässert. Mir wurde aufgetragen, jeden Morgen die Lampe über dem hydroponischen System unserer Setzlingskulturen anzuschalten. Dort hatten wir Rauke und drei verschiedene Sorten Kopfsalat gepflanzt. Das heißt, er pflanzte und ich schaute zu. Und er gewöhnte sich an, mir zu sagen: Du machst überhaupt nichts im Haushalt. Du erwartest von mir, alles selber zu machen, gab ich zurück. Wir führten eigentlich einen Haushalt, in dem er für bestimmte Sachen verantwortlich war und ich für andere. Aber ich rebellierte. Die Teller waren nie sauber genug. Die Wäsche stand tagelang in der Sonne. Ich hatte anderes zu tun. Am Ende des Winters schaffte ich meinen Schreibtisch nach draußen, an den Rand unseres Gärtchens. Ließ mich morgens daran nieder und stand abends wieder auf. Was konnte ich sonst tun? Ich lese und schreibe.

Der erste Lockdown in Israel begann im März 2020. Alle Freizeitaktivitäten wurden sukzessive eingestellt, auch Treffen in der Öffentlichkeit, die Fahrt zum Arbeitsplatz, wenn dieser als „nicht lebenswichtig“ eingestuft wurde, und der Unterricht an Schulen. Danach wurde das Verlassen der eigenen vier Wände begrenzt. Derweil stritten wir weiter und es schien, als sei unsere Beziehung am Ende. Aber der Lockdown hielt uns auf Gedeih und Verderb zusammen. Wir konnten ja nirgendwo anders hin.

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