Nachdem der Reis aufgekocht ist, spannt man ein Küchentuch über den Topf. Das fängt den Dampf. Ipek ist in ihrem Elternhaus zu Besuch, beim Vater, denn die Mutter ist verreist. Nun will sie, die Journalistin, die in Berlin ihr unabhängiges Leben führt, den alten Draht zum Vater wieder aufnehmen. Doch wie macht man das? Vielleicht beim gemeinsamen Essen. Das Küchentuch für den Reis darf nicht frisch gewaschen sein, „du willst doch nicht, dass dein Reis nach Waschmittel riecht“, klingt es in Ipeks Kopf. „Mamas Stimme sitzt in den Wänden“, schreibt Dilek Güngör. Doch der Roman, ein schmales Buch von hundert Seiten, heißt: „Vater und ich“.

Die Vatersuche ist ein altes literarisches Motiv, ursprünglich ein Männerding. Hier trifft die Tochter auf den Vater, der zwar anwesend ist, aber wie ein leere Hülle. Das erzählende Ich erinnert sich an unbeschwerte Späße und eine große zärtliche Nähe, die verloren ist. Die Eltern sind in den Siebzigerjahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, in einen Landstrich, wo man Schwäbisch spricht. Sie sind nicht mehr in der Fabrik beschäftigt, haben ein kleines Haus von einem Schumacher gekauft. In dessen Werkstatt arbeitet Ipeks Vater jetzt Möbel auf.

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