Ach, dieses Buch! Es macht glücklich. Wahrscheinlich vor allem, weil es so voller Liebe steckt und so voller Humor. Humor. Das ist ein oft bedenkenlos verwendetes Wort, in dem aber eine ungeheuer wertvolle Haltung gegenüber der Welt steckt. Wer Humor hat, lässt sich von ihrer Unzulänglichkeit nicht unterkriegen oder wenigstens immer nur fast. Und auf diese Unzulänglichkeit trifft man ja allerorten, vor allem bei Menschen, und seien es die eigenen Eltern. Wenn man es sich recht überlegt, gerade bei ihnen. Und unzulänglich ist man natürlich auch selbst.

Dmitrij Kapitelmans Buch handelt von dieser allseits bekannten Unzulänglichkeit, die ziemlich schlimme Formen annehmen kann: Ungerechtigkeit, Entfremdung, Unverständnis, Diskriminierung. Und es handelt von Aufbruch, der einfach nicht zur Ankunft werden will. „Migration hört eigentlich nie auf, fünfundzwanzig Jahre später wandere ich noch immer nach Deutschland ein.“ Kann man das Wesen des Wechsels von einem Land in ein anderes besser beschreiben? Man könnte darüber bitter werden. Aber der Autor mit seinem speziellen Kapitelman-Sound, den er schon in „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ praktizierte, wirft seinen humanen Blick darauf. Man sollte dieses Buch unbedingt lesen, und sei es nur, um sich von Dmitrij Kapitelman diese Haltung abzugucken. 

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.