Als die DDR noch bestand, aber es keine Zensur mehr gab, taten sich Menschen zusammen, die bisher nicht oder nur heimlich publiziert hatten und gründeten Verlage. Torsten Metelka, der mit seiner Edition Kontext zu den ersten gehörte, ist jetzt im Alter von 61 Jahren gestorben, wie Weggefährten auf Facebook mitteilten.

Metelka stammte aus Dresden, arbeitete zunächst dort in der Denkmalpflege und ab 1983 am Berliner Dom. In seiner Zeit als Bausoldat entwickelte er mit Benn Roolf die Idee einer unabhängigen Zeitschrift. Im Februar 1988 erschien die erste Ausgabe von „Kontext. Beiträge aus Politik, Gesellschaft und Kultur in rund tausend Exemplaren“. Mit dieser hohen Auflage unterschied sich Kontext von den Samisdat-Künstlerzeitschriften wie Schaden, Anschlag, Ariadnefabrik – und dadurch, dass sie unter dem Dach der Kirche erschien. Die evangelische Kirchengemeinde Berlin-Treptow (Bekenntniskirche) sicherte das Projekt ab und ermöglichte die Verbreitung.

Zu den Beratern gehörten etwa die Dichterin Elke Erb, der Theologe Wolfgang Ullmann und die Historikerin Ulrike Poppe. Kontext enthielt literarische Texte sowie politische und philosophische Essays, die offiziell nicht gedruckt wurden. So schrieb Konrad Weiß über „Die neue alte Gefahr. Junge Faschisten in der DDR“ im März 1989. Sieben Hefte erschienen bis zum Herbst 1989. Anfang der 1990er-Jahre, als ein regulärer Vertrieb möglich war, erreichte die Zeitschrift zeitweilig eine Auflage von 12.000 Exemplaren.

Torsten Metelka hatte also gleich eine Basis an Autoren, als er den Verlag gründete. Schon im Herbst 1990 stellte er auf der Frankfurter Buchmesse aus. Annett Gröschner schreibt auf Facebook: „Der Verleger und die Autorin sind aneinander gewachsen. Er hat mich ausprobieren lassen und ich ihn.“ Er brachte Annett Gröschners Gedichte mit Tina Baras Fotografien zusammen („Herzdame Knochensammler“), ein anderes Buch von ihr wurde im Jahr 2000 als Schönstes Buch ausgezeichnet, „für Satz, Typografie, Einbandmaterial und Herstellung“.

Mit dem von Roland Berbig und Erdmut Wizisla herausgegebenen Band „Wo ich her bin“ über Uwe Johnson in der DDR traf Metelka einen Nerv, er spürte aus, was in der bisher rein westlichen Johnson-Rezeption übersehen worden war. Die Edition Kontext suchte mit russischen Literaten einen Schwerpunkt aufzubauen, das Echo blieb bescheiden. Nur wenige Neugründungen von 1990/91 überstanden die ersten Jahre, der Markt war hart. Zuletzt, als auch von der Edition Kontext nur noch die Webseite vorhanden war, arbeitete Torsten Metelka einige Jahre im Lektorat, in der Gestaltung und Herstellung beim Verlag Matthes & Seitz mit.