Carolyn Gold Heilbrun (1926–2003) war Literaturwissenschaftlerin und Feministin, lehrte an der New Yorker Columbia University, wurde dort 1986 Direktorin eines neuen Forschungsinstituts für Frauenfragen – und schrieb unter dem Pseudonym Amanda Cross 13 Kriminalromane mit einer pfiffigen Detektivin namens Kate Fansler, die eigentlich Unidozentin ist. Der Schweizer Verlag Dörlemann, mit einem Händchen für Wiederentdeckungen, will sich jetzt Heilbrun/Cross annehmen, denn einige dtv-Ausgaben aus den Neunzigern sind längst vergriffen.

„Gefährliche Praxis“ hieß der erste Band einst bei dtv, nun erscheint er als „Die letzte Analyse“. Menschen, die zu einer Telefonzelle gehen müssen, um jemanden anrufen zu können; Paare, die nicht furchtbar reich sind, aber eine Haushälterin oder ein Kindermädchen haben; und gerade (wir haben das Jahr 1964) gehört es unter Intellektuellen offenbar zum guten Ton, zu einem Psychoanalytiker zu gehen. Nicht nur dieser erste Fall für die überall keck ihre Nase hineinsteckende Literaturwissenschaftlerin Kate Fansler wirkt heutzutage natürlich retro, mag wegen des Schauplatzes New York auch an einen alten Woody-Allen-Film erinnern – Cross’ Krimis waren aber einst ein emanzipatorischer Meilenstein und sicher auch eine Inspiration für nachfolgende Autorinnen.

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