Ihre „Empathie-Tests“ waren eine literarische Sensation, zumindest in den USA. Leslie Jamison widmete sich in diesem Buch dem Thema Mitgefühl. Sie berichtete von eigener Abtreibung, Herzoperation und einer fiesen Hauterkrankung und außerdem über körperliche und seelische Krisen anderer Frauen. Das Buch war neben vielen anderen eine Reflektion weiblicher Verletzungen. Danach veröffentlichte sie „Die Klarheit“, wo sie auch 600 Seiten den eigenen Alkoholismus seziert und den prominenter Suchtkranker von Raymond Carver bis Amy Winehouse diskutiert. In beiden Büchern zelebrierte Leslie Jamison die Kunst des Essays mit schonungslosen persönlichen Bezügen.

Wenn nun ihre neueste Veröffentlichung „Es muss schreien, es muss brennen“ heißt, klingt das nach noch mehr Schmerz. Aber bei diesen Worten geht es nicht (nur) ums Leiden, sondern um die Weise, wie darüber berichtet wird – und um Risiken und Nebenwirkungen wie Voyeurismus, Romantisierung, Vereinnahmung, Ausbeutung. Was passiert, wenn eine Autorin oder ein Fotograf extreme Armut porträtiert? Welche Stilmittel sind angemessen, welche nicht? Wie authentisch können Texte oder Bilder überhaupt sein? Kann ich den Beschriebenen überhaupt gerecht werden? In einer Welt, die sich mehr und mehr in Texten und Bildern spiegelt, mehr und mehr von ihnen geprägt wird, sind das wichtige Fragen.

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