Exlibris-Kalender: Alle zwei Wochen ein Stückchen Kunst fürs Buch

Unter Lesern ist die Tradition, Grafiken für die eigene Bibliothek zu bestellen, etwas eigeschlafen. Zwei Kalender für 2023 zeigen die Vielfalt der Exlibris.

Ein Blatt aus dem Exlibris-Kalender 2023 „Hunde“.
Ein Blatt aus dem Exlibris-Kalender 2023 „Hunde“.Haag+Herchen

Literaturkalender gibt es so einige. Neben die Klassiker vom Aufbau-Verlag oder der Edition Momente gesellen sich Literarische Hunde-, Katzen-, Küchen- und Reisekalender, und jeder hat seine Berechtigung. Die eine Sorte zeigt Autorinnen oder Autoren und stellt sie vor. Die andere Sorte präsentiert schöne Tiere oder Kochware, garniert mit Zitaten von Schriftstellern. Einen ganz besonderen Blick auf die Welt der Literatur haben die beiden Exlibris-Kalender, die im Verlag Haag + Herchen erscheinen. Sie enthalten Gebrauchskunst für Bücherfreunde.

Ein Exlibris ist eine heute fast vergessene Sache. Es ist ein kleines Blatt Papier, das man sich vorn in seine Bücher klebt, um das Eigentum zu markieren. Direkt übersetzt heißt das Wort „aus den Büchern“, also „aus der Bibliothek von …“ Man kann natürlich auch seinen Namen hineinkritzeln. Doch diese Blättchen dünnen Papiers, im Buchdruck, als Radierung, Holz- oder Linolschnitt vervielfältigt, sind kleine Kunstwerke. Berühmtheiten wie Albrecht Dürer oder Lucas Cranach der Ältere haben sich darin erprobt, im 18. und 19. Jahrhundert hatten die Exlibris ihre Blütezeit mit jeweils neuen künstlerischen Techniken. Heute geben nur wenige Buchliebhaber noch solche Werke in Auftrag.

Ein Blatt aus dem Exlibris-Kalender 2023 „LesenLesenLesen“.
Ein Blatt aus dem Exlibris-Kalender 2023 „LesenLesenLesen“.Haag+Herchen

Der Hund und das Buch sind des Menschen Freunde

Die beiden Kalender mit ihren je 28 Blatt, also immer für zwei Wochen und zu je 28 Euro, erzählen etwas über das Zusammenspiel von Künstler und Leser; natürlich genauso von Künstlerin und Leserin. Der eine richtet sich an Hundefreunde, Menschen also, die neben ihrer Leidenschaft für Bücher auch noch ein Herz für den treuesten Begleiter des Menschen haben. Da gibt es einen Holzstich, etwa 1985 entstanden, des niederländischen Illustrators Pam G. Rueter für eine Maria Meulemans. Es zeigt einen lächelnden Berner Sennenhund zwischen hyazinthenartigen Blumen und Blättern. Der Ungar Vilmos Torró schnitzte für ein Ehepaar einen liebenswürdigen jungen Schäferhund, vor einem Buch sitzend. Und der Maler Marcel Luquet gestaltete im Jahr 1951 ein Exlibris für den Eigengebrauch mit Leser und Dackel. „Canis et libri hominis amici“ steht darüber: Der Hund und das Buch sind die Freunde des Menschen.

Im „LesenLesenLesen“ betitelten Kalender ist die Motivauswahl viel freier. Es geht hier nur darum, den Geschmack des Auftraggebers zu treffen und ein bisschen auch seine Eitelkeit zu befriedigen. Man kann eine ganze Kinderschar in ein Buch hineinklettern sehen, es gibt gelehrt wirkende Männer mit Bücherstapeln; Kobolde, Müßiggänger und anmutige Frauen mit Buch in der Hand. Manche Exlibris kommen ohne Lebewesen aus, sie sind Stillleben aus Büchern und Schreib-Utensilien. Alle zwei Wochen kann man darüber nachdenken, in welche Bücher die Bilder Eingang gefunden haben. Und so wächst der Wunsch nach einem eigenen Exlibris.