Berlin - Das Übersetzen von Literatur erfährt in der Gegenwart eine Aufmerksamkeit, die es jahrzehntelang nicht hatte. Das ist vernünftig, denn zwischen zwölf und dreizehn Prozent der Titel auf dem deutschen Buchmarkt kommen ursprünglich aus fremden Sprachen. Ein neues Festival in Berlin will das Übersetzen jetzt noch lebendiger darstellen: translationale berlin.

Es findet vom 1. bis 3. Oktober im Collegium Hungaricum in Mitte statt. Organisiert haben es die Vereinigungen Weltlesebühne und Toledo. Es gehe um die künstlerische und soziale Praxis des Übersetzen, heißt es trocken in der Ankündigung. Das lässt an den Streit um Amanda Gormans Gedichte denken. Es knüpft sich daran auch die Übertragung von Lyrik überhaupt, die Übersetzung kleiner Sprachen, die manchmal nur über den Umweg des Englischen geschieht. Dem Sichtbarmachen von gesprochener Sprache, die einen bestimmten Rhythmus und Klang transportiert, für Gehörlose, widmet sich eine Performance der Literaturinitiative „handverlesen“ am Freitagabend.

Einige Programmpunkte werden gestreamt

Eine Gesprächsrunde fragt „Wer spricht im übersetzten Text?“, erkundet also, was es bedeutet, sich der Autor-Stimme anzunähern: Da kommt man tatsächlich zur Frage der Identität. Warum können Frauen Männer übersetzen und umgekehrt, was macht das mit dem ursprünglichen Werk? Der Blick aufs Programm zeigt: Es ist erstaunlich viel, was man im Zusammenhang mit dem Thema diskutieren kann, nicht zuletzt auch die Maßstäbe der Kritik. Nachdem Übersetzer lange verschwiegen wurden, wird jetzt meist ihr Name in Rezensionen genannt, manchmal fällt auch ein Satz über ihre Arbeit ab. Aber welche Maßstäbe wenden Kritiker dann an? Der Übersetzer Frank Heibert hat sich am Sonntag einen Kreis von Rezensenten eingeladen. Apropos Sichtbarkeit: Zu sehen sind viele Literaturübersetzer übrigens in einer Fotoausstellung.

Der bosnische Schriftsteller Dzevad Karahasan hält am Sonnabend die Festivalrede. Er übersetzt selbst, seine Bücher wurden in zwanzig Sprachen übertragen und er lehrte als Hochschulprofessor an europäischen Universitäten. Und weil die Nachfrage schon vorher erstaunlich groß ist, werden einige Programmpunkte auch live gestreamt.

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