Das PEN-Zentrum tritt für die Freiheit des Wortes ein, und die Mitglieder des deutschen Verbandes haben in der Frankfurter Paulskirche am Dienstagabend den Journalisten und Autor Deniz Yücel zu ihrem neuen Präsidenten gewählt.

Mit der Freiheit des Wortes und seiner Bedrohung kennt Deniz Yücel sich aus. Von Februar 2017 an saß er fast ein Jahr lang in dem türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9 in Untersuchungshaft, die meiste Zeit in einer Einzelzelle. Damals war er Türkei-Korrespondent der Tageszeitung Die Welt, für die er bis heute arbeitet. Ihm wurde „Terrorpropaganda“ vorgeworfen. In Deutschland löste seine Inhaftierung eine große Solidaritätsbewegung „Free Deniz“ aus – und eine schwere Krise im deutsch-türkischen Verhältnis.

Auch im Gefängnis ließ sich Deniz Yücel nicht zum Schweigen bringen. Er schrieb. Zunächst mit einer Gabel und roter Soße aus Essenskonserven auf dem Papier von Büchern, die ihm dort zur Verfügung standen. Anwälte schmuggelten die Texte nach draußen. Unter dem Titel „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“ sind diese Kassiber 2018 im Nautilus-Verlag erschienen. Seine Gefängniszeit verarbeitete er nach seiner Entlassung in dem 2019 erschienen Buch „Agentterrorist“.

Der 48 Jahre alte Yücel wurde 1973 in Flörsheim, Hessen als Sohn von Gastarbeitern geboren. 1996 zog er nach Berlin, um an der FU Politikwissenschaft zu studieren, bald begann er auch journalistisch zu arbeiten, etwa für die Jungle World. Von 2007 bis 2015 war er taz-Redakteur.

In seiner Bewerbungsrede um das Amt wies Yücel auf die Bedrohung des freien Wortes auch in Deutschland hin: „Wir erleben Dinge, die dazu geführt haben, dass Deutschland in den letzten Jahren im Ranking von Reporter ohne Grenzen nach unten gerutscht ist.“ Gefahr gehe nicht nur von den Feinden der offenen Gesellschaft wie Islamisten und Rechtsextremisten aus, sondern zuweilen auch von Leuten, die im Namen hehrer Ziele agieren.